Samstag, 17. Oktober 2009

17 - Wo ist der Herbst?

10 Dinge, an denen man merkt, dass einen so langsam der kanadische Winter einholt:

1. Man schläft nur noch mit 6 verschiedenen, übereinandergestapelten Decken und mit Wollmütze auf dem Kopf.

2. Man wacht morgens auf und wundert sich, was auf dem Kopfkissen so nasskalt ist und stellt fest, dass tatsächlich der eigene Atem auf dem Kissen gefrohren ist.

3. Man geht am Morgen ins Bad und wirft versehentlich den am Vortag zum Trocknen aufgehängten Badeanzug herunter. Er fällt einem auf den Fuss und man schreit vor Schmerz auf, weil dieser steifgefroren ist.

4. Man will die Zähne putzen und hat Eisklümpchen auf der Zahnbürste.

5. Man hält sich mehr bei Wal-Mart auf, als zu Hause, weil es dort viel wärmer ist.

6. Man will Geschirrspülen und merkt, dass das Wasser in der Leitung gefroren ist, anschliessend will man aufs Klo gehen und stellt fest, dass natürlich auch diese Leitung eingefrohren ist.

7. Man geht nur noch auf öffentliche Toiletten.

8. Man will das Abendessen zubereiten und bemerkt erstaunt, dass das Olivenöl weiss und hart geworden ist.

9. Man trinkt lieber die Cola aus dem Kühlschrank, als das Wasser, dass auf dem Tisch stand, weil die wärmer ist.

10. Man wacht auf und kriegt beim Blick auf das Thermometer einen ordentlichen Schock, weil die INNENtemperatur auf fast -10º C gefallen ist.

Schnee

Irgendwie haben wir den Herbst verpasst. Gerade eben war noch Hochsommer und dann – ganz plötzlich und ohne Vorwarnung - stehen wir bis zum Knöchel im Schnee.
Wir waren aus Edmonton aufgebrochen, um uns die beiden großen Nationalparks Jasper und Banff anzusehen. Um die schönen Landschaften besser genießen zu können, haben wir einige kürzere Wanderungen unternommen und Wasserfälle, Stromschnellen und schöne Aussichten bewundert.

LakeLouise

Die Städte Jasper und Banff selbst, die den jeweiligen Mittelpunkt der beiden Parks darstellen, sind eher etwas für den Urlauber mit der dickeren Geldbörse und darum haben wir dort nicht allzuviel Zeit verbracht.
Gerade sind wir in DSCN0997Tiere haben wir leider nicht ganz so viele sehen können, denen war es wohl auch zu kalt, aber immerhin haben wir zwei riesige Caribou Hirsche beobachtet, wie sie in aller Seelenruhe durchs Dorf spazierten.
Nach einem kurzen Abstecher nach Calgary haben wir uns auf den Weg gen Osten gemacht, was hauptsächlich Fahren bedeutete, denn die beiden Provinzen Sasketchewan und Manitoba, durch die uns der Weg als erstes führt, wollen wir ohne längere Zwischenstopps hinter uns lassen. Etwas wirklich interessantes gibt es dort nicht zu sehen, hat man uns gesagt. So weit das Auge reicht nur Felder und Weiden, Stroh und Kühe. Darum wird das Gebiet auf "Grand Prairies" - die großen Prärien genannt. Aber uns hat es trotzdem - oder gerade deswegen - sehr gut gefallen.

stroh

Bei all der Fahrerei durch mehrere Zeitzonen in wenigen Tages, hat sich eine generelle Verwirrung bei uns eingeschlichen, wodurch wir nun irgendwie nie so genau wissen, wie spät es überhaupt ist. Daran hat man sich aber recht schnell gewöhnt, da wir ja keine festen Zeiten mehr für irgendetwas einhalten müssen.

EichhoernchenWinnipeg, in der Provinz Manitoba und durften feststellen, dass der Slogan, den die Provinz auf ihren Autokennzeichen propagiert, nicht einfach nur dummes Geschwätz ist. Er lautet: "Friendly Manitoba" und nachdem wir, wenn wir (also eigentlich Ulrike) draußen an Bertha gearbeitet haben, so oft Hilfe angeboten bekamen, dass man fast nicht zum eigentlichen reparieren kam. Da kamen Menschen vorbei, die Hilfe bei der Reparatur anboten, Menschen, die sich mit ihrem Auto vor Bertha stellen wollten um mit ihren Scheinwerfern unseren Motorraum zu erleuchten und Menschen, die einfach nur ein kleines Schwätzen halten wollten.

Auf unserem Weg in Richtung Osten wird es gerade glücklicherweise wieder etwas milder. Nach unserem kurzen, aber heftigen, ersten Zusammenstoß mit dem Winter, hoffen wir, dass wir vielleicht doch noch etwas vom Herbst und dem berühmten Indian Summer sehen können.

Cora

Samstag, 3. Oktober 2009

16 - Wildes Treiben

Wieder einmal haben wir den Arbeitsalltag erfolgreich hinter uns lassen können. Mit den letzten Gehaltschecks haben wir uns endgültig vom Riverviewhotel und unserem Chef Michael verabschiedet.

MitMichael

NeueReifenNachdem wir alle Vorbereitungen getroffen hatten, Einkäufe erledigt und sogar günstig zwei neue Reifen erringen konnten, waren wir also startklar und abreisebereit und konnten Whitehorse hinter uns lassen.

Carcross1Unser erster Weg führte uns in die weltkleinste Wüste, im kleinen Städtchen Carcross, die direkt am Rande des Highways liegt und die wir auch ohne große Anstrengung erfolgreich durchqueren konnten.

Nun wollten wir einmal mehr, bevor unsere Reise gen Ostküste beginnen sollte, die Amerikanisch-Kanadische Grenze überqueren um in Skagway/Alaska den berühmten Chilkoot-Trail zu bezwingen. Den 53 Kilometer langen und steilen Weg durch Gebirge und Buschland, den die Goldsucher im Zuge des Goldrausches, Ende des 19. Jahrhunderts, auf dem Weg nach Dawson City zurückgelegt haben, in der Hoffnung dort ihr Glück zu finden.

Chillkoot

Vier Tage hatten wir dafür veranschlagt, mussten uns aber bereits am Ende des ersten Tages vom Wetter geschlagen geben und traurig umkehren.
Eine kleine Entschädigung allerdings, waren die Grizzly-Bären, die wir bei unserer Rückkehr, unweit von unserem Wohnmobil, beim Fischen beobachten konnten.

Baeren

Das erste große Ziel auf dem Weg gen Osten sollte die Großstadt Edmonton sein. Das war zwar eigentlich nicht eingeplant, aber da Raymond und Jasmine, die wir in Vancouver kennengelernt hatten und die mittlerweile zu echten Freunden geworden sind, gerade mit einem ihrer Pferde dort sind, wollten wir es uns natürlich nicht entgehen lassen, sie nochmal zu besuchen. Doch der Weg war weit und so gab es mal wieder viel zu sehen.

Schilderwald

In Watson Lake haben wir den Schilderwald durchwandert. Wo einst ein Soldat, der unter Heimweh litt, ein Schild seines Heimatortes angebracht hat, stehen heute 60.000 Schilder von Menschen, die es ihm gleich getan haben und unter denen man immer wieder Schilder von Orten findet, die nur Unweit von der eigenen Heimat entfernt sind.

AllesNeuAuch für Bertha gab es unterwegs große Erfolge zu verzeichnen, denn nach nunmehr fast 11.000 gemeinsam gefahrenen Kilometern, sind wir mit ihr über Kilometer 0 gefahren. Somit haben wir nun sozusagen ein brandneues und jungfräuliches Wohnmobil.

Adler

Das mit Abstand Schönste aber, auf der gesamten Fahrt, waren Schafedie vielen Tiere, die wir am Straßenrand zu sehen bekamen. Es bot sich uns, beinahe pausenlos, eine große Bandbreite an verschiedensten Tieren und so hatten wir die Gelegenheit unter anderem Adler, Bären, Dall-Schafe sowie ganze Büffelherden aus allernächster Nähe beobachten zu können.

Bisons1

Endlich in Edmonton angekommen konnte es dann losgehen, mit dem Großstadtspaß. In der weltweit größten, überdachten Shopping-Mall, konnten wir problemlos Stunden verbringen und mit Raymond und Jasmine den Wasserpark mit seinen zahlreichen Rutschen unsicher machen, bevor wir die Abende gemeinsam ausklingen ließen.

GriechischerAbend

Um zum Abschluss noch etwas richtig typisch kanadisches zu tun, Eishockeywaren wir alle zusammen bei einem Eishockey Spiel, was allerdings für uns alle vier eine Premiere war. Wir verfolgten das wilde Treiben, bei dem die Spieler nicht gerade zimperlich miteinander umgehen, gespannt. Letztendlich konnte dann das Heimteam, die "Edmonton Oil Kings" das Spiel mit 3 zu 2 erfolgreich für sich entscheiden.

Raymond

Wir haben die Zeit mit unseren Freunden sehr genossen und hatten viel Spaß. Ein kleiner Bonus war natürlich auch, dass Raymond mal wieder einiges an Bertha repariert hat und somit kann die Reise nun hoffentlich problemlos weitergehen.

Cora

Samstag, 29. August 2009

15 - Licht und Schatten...

...liegen ja oft sehr nah beieinander, doch was uns seit dem letzten Eintrag alles passiert ist, ist mit Sicherheit mehr hell als dunkel. Da war z.B. diese unglaubliche Geschichte in unserem Lieblingsrestaurant, dem "Klondike Rib and Salmon BBQ". Wir versuchen uns diesbezüglich in Zurüchhaltung, weil dieses Restaurant leider nicht nur die mit Abstand besten Fish and Chips, smoked Salmon Wraps, Salate und Nachtische zaubern kann, sondern, weil Besuche dieser Art immer ein kleines Loch in unserer Reisekasse verursachen.

Fish-and-Chips

Neulich jedoch war es wieder einmal soweit! Gut gelaunt und mit gefüllter Geldbörse wurde uns ein Platz neben einem älteren Paar aus Oklahoma/USA zugewiesen. Wir bestellten reichlich und warteten voller Vorfreude auf unser Essen, das auch bald schon kam und unseren Erwartungen wie immer voll gerecht wurde. Während des Essens kamen wir dann auch mit unseren Tischnachbarn etwas ins Gespräch. Wir erzälten wo wir herkommen, von unser groben Jahresplanung, von unserem Housekeeping Job hier im Hotel und von "Big Bertha". Sie berichteten uns von Ihrer Kreuzfahrt, die sie gerade machen und davon, welche für das nächste Jahr geplant ist. Trotz ihrer, ganz anderen Art von Urlaub, war dem Paar die Begeisterung für unsere Reise anzumerken. Es war eine lustige Unterhaltung.
Während die beiden dann irgendwann zum Zahlen und anschließenden Gehen aufbrachen, blieben wir noch ein paar Minuten sitzen. Wir wissen noch nicht einmal den Namen dieser netten Menschen, die sich da still und heimlich aus dem Restaurant stahlen und beim Hinausgehen einfach unsere Rechnung mitbezahlten. So etwas unglaublich selbstloses haben wir noch nicht erlebt. Als wir später um die Rechnung baten und die Bedienung uns die Geschichte erzählte, fehlten uns die Worte. Ohne noch die Chance zu haben uns zu bedanken, waren die beiden verschwunden.

Nach-dem-Essen

Auch unser nächstes Highlight beginnt eigentlich mit einem Abschied. Vielleicht muss man diesem Abschnitt noch vorausschicken, dass wir hier, in Whitehorse, das Fun and Sport Center für unseren täglichen Ausgleich und auch als Duschmöglichkeit entdeckt haben. Sogar die nicht so sportlichen 50% unserer Beziehung verkehren dort gerne, weil es dort ein Schwimmbad gibt. Der Pool selbst ist nicht so spannend, dafür aber das Drumerum. Es gibt dort eine Sauna, einen Hot-Tub, eine Rutsche, ein Sprungbrett und eine Liane, von der man sich mit Schwung ins kühle Nass befördern kann. Ferner sollen zahllose Bälle, Enten und Schaumstoffmatten den großen und kleinen Besuchern Spaß im Wasser vermitteln. Das Konzept geht auf. Leider jedoch wird der Pool alljährlich im Sommer für drei Wochen, zwecks Renovierungsarbeiten, geschlossen.
So zelebrierten wir vor wenigen Tagen unseren letzten Badetag. Aber irgendwie war alles anders. Der erste, der uns aus dem Wasser entgegen kam, hatte einen grünen Bart, der Zweite Blumen auf dem Rücken. Wo wir auch hinsahen waren bemalte Körper in und ums Wasser. Die Einen planschten vergnügt, die anderen malten sich fleißig weiter an. Das wollten wir auch! Schnell Farben und Pinsel besorgt und schon hatte Cora einen roten, feuerspeienden Drachen und ich eine Geisterlandschaft auf dem Rücken. Wir waren noch nicht ganz mit unseren Kunstwerken fertig, als eine Leutsprecherstimme zur Disziplin mahnte, wenn gleich alle beim Bademeister Eis in Waffeln abholen können. Ein wildes Durcheinander lebender Kunstwerke machte sich auf den Weg. Die einen noch neu und schön, andere, die wie Aquarelle mit ein wenig zu viel Aqua aussahen und wieder andere, die schon total verschmiert waren - alle wollten Eis! Und wir natürlich auch!
Gute Erwachsene, die wir nunmal sind, ließen wir den Kleinen den Vortritt. Eis gab es reichlich, nur Waffeln waren nicht so viele da... Da zeigte sich dann mal wieder die gelassene Art der Kanadier: Wer keine Waffel mehr bekam, der durfte halt die Hand aufmachen und das Eis direkt von der Haut schlecken. Wir entschieden uns für eine Schoko-Vanille Mischung, die wir dann mit reichlich Schokosoße verzierten und im Pool aufaßen. Auch die Fliesen bekamen einiges ab, doch das störte hier niemanden. Nebenbei bemerkt war das bei dem Farbspektakel auch schon egal. Als das Eis aufgelekt war und nur noch Schokosoße von Händen und Wangen zu entfernen war half ein Sprung ins Wasser und beim Auftauchen fühlten wir uns genauso jung, wie die Kleinen neben uns, die wissen, dass man eigentlich nicht so dreckig ins Wasser darf - es aber trotzdem tun.

So viel Licht gibt es aber meist leider nur in Kombination mit Schatten; und damit kommen wir auch schon zum nicht so schönen Teil der vergangenen Wochen. Mein 7 Monate alter Laptop verweigert uns seit neustem - aus heiterem Himmel und ohne unser Zutun - die Mitarbeit und gibt keinen Mux mehr von sich. Das ist eine mittelschwere Katastrophe- ist er doch fast unsere einzige Schnittstelle zur heimischen Außenwelt. Wir hoffen, wir können das Problem bald beheben lassen; bis dahin sind wir vielleicht nicht mehr ganz so einfach zu erreichen.

total-durch

Außerdem habe ich mich, inspiriert von einem Gefühlsgemisch aus Ungerechtigkeit und Mitleid, strafbar gemacht:
"Angeklagte Ulrike S., Sie werden des geplantes Einbruchs und des heimtückischen Diebstahls bezichtigt!" Der-Dieb
"Ich gestehe! Schuldig im Sinne der Anklage!" Zur Verteidigung:
Zum einen kann man ja nichts klauen, was einem quasi schon gehört, und zum anderen bin ich mir nicht sicher, ob es auch ein Einbruch ist, wenn das Auto, aus dem man etwas stiehlt, gar nicht abgeschlossen war... Des Weiteren hat der Autohalter wahrscheinlich noch gar nicht bemerkt, dass er Coras Handtuch nicht mehr besitzt. Und überhaupt wurde uns das Handtuch ja wohl zuerst irgendwie aus der Damenumkleide im Schwimmbad geklaut. Wer strand denn bitteschön neulich pitsch-nass da und hat doof aus der Wäsche geschaut, als die 2 Handtücher weg waren. Und eines ist schließlich immer noch weg... Wahrscheinlich auch bei dem Typen, aber ich konnte ja schlecht das ganze Auto durchsuchen, während der kurz bei Wal-Mart war. Fakt ist, dass wir Eines zurückgeklaut haben. Und den Typen behalten wir im Auge, schließlich ist uns bei anderer Gelegenheit auch unser Rucksack samt Inhalt aus einem Umkleidespind geklaut worden (das Meiste hat das Sicherheitspersonal des Sportcenters aber wieder gefunden).

Huebsch-gemacht

Und zu guter Letzt haben wir ein bißchen an Berthas Optik gearbeitet. Ja - seid wir nicht mehr so viel fahren, ging auch kaum noch etwas kaputt, so dass wir die Zeit für Schönheitsarbeiten nutzen konnten.

Uli

Montag, 17. August 2009

14 - Long Way Home

Hotel2Das bisschen Haushalt macht sich von allein? Von wegen! Vor allem wenn man, wie wir gerade, sein Geld damit verdient, hinter anderen Leuten – Fremden noch dazu – herzuputzen. Der ein oder andere mag es vielleicht schon erraten haben, aber unsere neue BERUFung liegt im Bereich der Raumpflege. Kurz um im Putzen! Seit nunmehr drei Wochen sind wir als Zimmermädchen in einem der hiesigen Hotels angestellt und dürfen regelmäßig unsere Gäste mit dem freundlichen Ruf „housekeeping“ aus ihren Zimmern locken.

Hotel1

Das Trinkgeld ist, wenn auch gelegentlich vorhanden, nicht besonders üppig. Dafür finden wir oft Zurückgelassenes, dessen wir uns nur zu gerne annehmen. Alkoholiker-im-EinsatzGetränkedosen im Kühlschrank, oder auch mal Lebensmittel, für die wir noch Verwendung haben. Dadurch hat sich ein ansehnlicher Vorrat an Bierdosen in unseren Schränken angehäuft und wir, die wir uns Alkohol hier noch nicht oft leisten wollten, werden nun mehr oder weniger genötigt allabendlich ein Bierchen zu trinken. Wir wollen es ja nicht schlecht werden lassen.

GrillsaisonNeben der Arbeit wissen wir uns unsere Zeit hier in Whitehorse aber natürlich auch gut zu vertreiben. So haben wir beispielsweise die Grillsaison eingeläutet und schon mehrmals – von Ulrike eigenhändig im Kühlfach des Supermarktes geangelte – Fische auf dem Grill zu wahrhaften Gaumenschmausen verwandelt und es uns mit diversen anderen Köstlichkeiten auf einer Wiese niedergelassen und es und so richtig gut gehen lassen.

Auch die Gelegenheit, bei einem Tagesausflug mit dem Zug die berühmte Whitepass Route zu fahren, haben wir uns nicht entgehen lassen.

Whitepass

Die Bahn brachte uns, auf der historischen und atemberaubend schönen Strecke, in das kleine Städtchen Skagway in Alaska, wo wir ein wenig Zeit hattenIm-ZugBaerenbegegnung in den vielen Geschäften unser Geld unter die Leute zu bringen. Das beeidruckendste aber war, dass wir dort die Wanderung der Lachse ganz aus der Nähe beobachten konnten. Tausende von Fischen, die sich stromaufwärts in Richtung Quelle kämpften, ein einmaliges Schauspiel, von dem wir uns nur schwer loseisen konnten.

Wir-2-im-Sonnenlicht

Ein Erlebnis der dritten Art, war unsere Begegnung mit Dan, dem „Firefighter“. Dieser ist uns beim Grillen über den Weg gelaufen und hat uns direkt angesprochen, weil Ulrike ein Bier in der Hand hielt. Er bewunderte Ihren Mut, weil es ja hier verboten ist, öffentlich Alkohol zu konsumieren, was wir natürlich mal wieder vergessen hatten. Nach kurzem Geplänkel hatte er uns auch schon eingeladen mit seinem Tretboot auf den See zu fahren uns das Bier dort zu trinken - was wir auch direkt taten.
Im Anschluss entschied er, noch mit uns in der Stadt groß ausgehen und uns einladen zu wollen. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der kauzige Typ in der total zerfetzten Lederjacke, zum Gentleman im feinen Anzug und kurz darauf stand eine riesige schwarze Limousine samt Chauffeur vor der Tür. Ein sehr witziger uns unvorhersehbarer Abend nahm seinen Lauf.

Prominenz

Doch nicht nur wir fühlen uns hier wohl, auch Bertha fühlt sich ganz zu Hause. Zufälligerweise haben wir nämlich herausgefunden, das Whitehorse lange Jahre die Heimat unserer Bertha war. Es ergab sich nämlich, dass wir auf dem Walmartparkplatz ihren kleinen Bruder fanden und uns direkt neben ihn stellten.

Berthas-kleiner-Bruder

Dessen Besitzer kam natürlich gleich an unsere Tür. Er hatte allerdings jemand anderen erwartet, da er den letzten Besitzer gut kannte. Und so stellte sich heraus, dass unsere Bertha den langen Weg nach Hause gefunden hat…

Cora

Samstag, 25. Juli 2009

13 - Die Reife(n)prüfung

Arctic-CircleWir haben ihn bezwungen, den Dempster Highway. Jawohl! Wir haben zwei mal 736 km Schotterstraße in je drei Tagen befahren. Die Fahrt auf diesem Highway gilt als eine der großen Herausforderungen hier in Kanada. Auf dem Weg nach Inuvik, dem kleinen Städtchen das einsam am Ende des Highways liegt, haben wir bei strahlendem Sonnenschein den Nordpolarkreis passiert, Füchse und Dall-Schafe in freier Wildbahn beobachtet und einmalige Landschaften genossen.

Fuchs-und-Schaf

Zu Beginn der Fahrt erhält man einen Dempster-Highway-Pass, in dem man sich auf dem Weg an verschiedenen Stationen immer wieder Stempel abholt um jeden Schritt der Fahrt zu dokumentieren. Unterwegs trifft man immer wieder die gleichen Menschen, die alle sehr herzlich sind und mit denen man sich, da man sich auf das gleiche Abenteuer eingelassen hat, sofort irgendwie verbunden fühlt.

Das-Ende

Inuvik selbst ist nicht besonders spannend. Ein recht kleiner Ort, der irgendwie trostlos wirkt. Lange haben wir uns nicht aufgehalten, aber gelohnt hat sich die Fahrt allemal, denn es ging ja nie um das Ziel, sondern immer nur um den wunderschönen Weg dorthin.

Aussichten

Leider haben wir aber, seit unserer Ankunft in Inuvik, ein kleines Reifenproblem. Insgesamt hatten wir, auf Hin- und Rückfahrt, vier platte Reifen. Zwei davon konnten ganz einfach wieder geflickt werden, für einen haben wir den Ersatzreifen genommen und einen haben wir neu gekauft.

FireweedDa wir zu genau diesem Anlass herausgefunden haben, dass unsere Reifen- und Felgengröße gar nicht mehr hergestellt wird, standen wir also vor einem Problem. Unser neuer Reifen hat nun eine andere Größe. Jetzt brauchen wir nur noch 5 andere – natürlich gebrauchte – in der gleichen Größe. Das Gute daran ist, dass wir nun Reifen, sogar an einem großen Wohnmobil wie Bertha, mit Zwillingsreifen an der Hinterachse, im Schlaf wechseln können.
HoernchenDa wir jetzt aber auch keinen Ersatzreifen mehr haben, mussten wir spontan unseren Reiseplan ändern und die nächste größere Stadt ansteuern, was in unserem Fall Whitehorse war. Nun denkt sich der aufmerksame Leser sicher: „Whitehorse? Moment! Da waren sie doch schon mal, oder?“ Richtig, da waren wir schon. Da Whitehorse aber ein Paradies für Touristen ist, vor allem für deutsche, und dort gerade Hochsaison ist, hoffen wir hier nicht nur Reifen, sondern auch einen Job zu finden, mit dem wir sie bezahlen können.

Was die Suche nach einem Job angeht, waren wir zumindest schon mal einigermaßen erfolgreich. Da wir dort aber nur drei bis vier Tage die Woche arbeiten können, sind wir noch immer auf der Suche nach einem zweiten. Womit wir unsere Brötchen nun seit neuestem verdienen, dazu mehr im nächsten Bericht, wenn wir schon ein paar Tage Berufserfahrung sammeln konnten.

Schlittenfahren

Schalten Sie also auch das nächste mal wieder ein, wenn es dann heißt:
Schwing den Mopp und heb das Bein,
sauber muss die Bude sein!

Cora

Mittwoch, 1. Juli 2009

12 - Gold Rush

Dass die Amis ein wenig eigenartig sind, ist kein Geheimis; und auch ihre Paranoia ist legendär. So verwundert es wahrscheinlich nicht, dass wir nach 3.5 Wochen Alaska nun froh sind wieder über die Grenze nach Kanada entschwunden zu sein. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Alaska hat schon was, nur sind halt leider zu viele fanatische Amerikaner da, und Kanada hinkt der Landschaft in keinster Weise hinterher. Im Gegenteil: hier gibt’s zur Landschaft auch noch Tiere die nicht zu verängstigt sind an die Strasse zu kommen, weil sie Angst haben abgeknallt zu werden, und irgendwie reissen sich die Kanadier auch ein wenig mehr zusammen, was wilde Müllhalden angeht - wo es in den USA scheinbar ganz selbstverständlich ist, einen Schrottplatz im Garten anzulegen.

Homer

Aber das sind Auffälligkeiten, die ich nur am Rande erwähnen möchte. Viel Wichtiger ist, dass wir es irgendwie, über immer holpriger werdende Strassen, zurück auf die Karte, nach Dawson City geschafft haben. Dort hat mich gleich am Abend unserer Ankunft jemand gefragt, ob er mir helfen kann. Wirklich sehr freundlich! Und das obwohl sich nur keine Pfützen Kühlerflüssigkeit und Öl unter Big Bertha gebildet hatten... Oder war es die Tatsache, dass ich den Kühlergrill abgenommen habe und mit hecktischen Bewegungen rotierend ums Motorhome sprang, um zu überprüfen, ob auch noch alle Reifen dran sind?! Wahrscheinlich war der Rauch, der aus dem Motorhome aufstieg, der Grund, aber er konnte ja nicht wissen, dass das ganz normal ist. Kurz: Big Bertha schlägt sich tapfer!

Top_of_the_World_Highway

Nun gönnen wir der Guten auch ein paar Tage Ruhe, bevor wir auf dem Schotter-Dempster Highway weiter cruisen. Die City hat touristisch auch echt was zu bieten!

Roulett

So waren wir beispielsweise gestern im hiesigen Casino um unsere schwerverdienten Kröten zu verspielen.
Zur Schadensbegrenzung wollten wir dann heute alles wieder beim Goldwaschen reinholen, doch es zeigte sich, dass Cora genauso zielsicher das ganze Gold aus ihrem Pfännchen spült, wie ich beim Roulett auf die falschen Zahlen setze. GoldwaschenDas ist eine schlechte Kombi, die sich in Spielerkreisen leider noch nicht durchgesetzt hat. So bleibt uns nichts weiter, als es demnächst wieder mit richtiger Arbeit zu versuchen… Aber ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt! Ich habe nämlich gerade, in einem Anfall von Optimismus, eine Goldpfanne gekauft und will morgen - am "Canada Day" - meinen großen Durchbruch beim Gold-Wasch-Wettbewerb feiern. Mal sehen, ob das klappt…

Uli

Freitag, 12. Juni 2009

11 - Hüpfe Samba mit mir

Bear-CountryWir haben ein Bärenvideo gesehen! Das Video, das eigentlich nur ein Sicherheitsfilm zur Information über das Verhalten in Gefahrensituationen dienen sollte, hat mich direkt so geschockt und verängstigt, dass Ulrike mich nur noch mit viel Überredungskunst dazu bewegen konnte, überhaupt noch einen Fuß aus Bertha zu setzen. Da wir aber unseren ersten Nationalpark – den Kluane National Park - ansteuerten, musste ich raus. Doch dank Bärenspray und Bärenglöckchen, die wir nun Ueber-den-Wolkenimmer griffbereit haben und unseren immer lauten Unterhaltungen beim Wandern, fühle ich mich ein bisschen sicherer.Leider haben wir dadurch bislang auch alle anderen Tiere erfolgreich verscheucht. Auch den ersten Sonnenbrand des Jahres haben wir uns bei dieser Gelegenheit schon geholt. Trotz des Windes brannte die Sonne in den Bergen erbarmungslos.
Auf einer unserer Wandertouren, haben wir es sogar über die Wolken geschafft!

Der Katzensprung über die Grenze von Alaska, hat sich etwas schwieriger gestaltet als erwartet. Nachdem wir eine Reifenpanne, auf Grund einer alten und undichten Felge, hatten und wieder Geld bei einer Werkstatt lassen mussten, brach uns am nächsten Tag, während der holprigen Fahrt auf einem Schotterhighway sowohl ein Hängeschrank, als auch die Fahrerarmlehne runter (ist aber schon wieder alles repariert). Zu allem Überfluss entschied sich die gute Bertha kurz darauf, mitten auf dem Highway gar nicht mehr weiter fahren zu wollen und erst mal eine Pause einzulegen. Aus unerklärlichen Gründen sprang sie irgendwann aber wieder an und hat uns doch noch zur Kanadisch-Amerikanischen Grenze gebracht. Dort angekommen wurden uns die Standardfragen nach Waffen und Drogen gestellt. Da wir nichts davon hatten, wollten sie wenigstens das von uns mitgeführte Netz mit Grapefruits genauer untersuchen. Anschließend mussten wir eine Gebühr zahlen um das Land betreten zu dürfen und Fingerabdrücke und Passbild hinterlassen. Nun sind wir also im System! Aber wir hatten Glück, denn die Grapefruits durften auch mit.

Welcome-to-Alaska

Hier in Alaska, wie auch schon vorher im Yukon, ist es die meiste Zeit hell. 3 bis 4 Stunden in der Nacht verschwindet die Sonne zwar, aber richtig dunkel wird es nicht. Um dem entgegenzuwirken und etwas besser schlafen zu können, haben wir uns den Bedingungen entsprechend angepasst und uns modisch schicke Augenmasken besorgt.

Auf Grund der hochsommerlichen Temperaturen hier wollten wir, alternativ zu den öffentlichen Duschen, mal versuchen uns in einem See zu waschen und dort auch zu schwimmen. Die einheimischen Wasserflöhe, Wasserwürmer, oder sonstiges Getier, haben uns und etwas abgeschreckt. Ulrike war natürlich so hart uns hat sich trotzdem reingewagt. Ich habe mich entschieden lieber etwas Geld für die Dusche auf einem Campingplatz aufzuwenden.

Einige Tage lang waren wir in Tok gestrandet um zu testen, ob Bertha wieder besser läuft. Ulrike war kurz davor sie entweder zu verkaufen oder irgendwo im Wald einfach abzustellen, wie das die einheimischen hier gerne mal tun. Nachdem sie aber irgendwas am Vergaser neu eingestellt hatte, lief Bertha wieder gut und hat uns problemlos nach Anchorage gebracht, womit sie sich gleich wieder in unsere Herzen gefahren hat. Neben all der Kritik muss man sie ja auch mal loben. Wir haben sie wirklich liebgewonnen.

Zusätzlich zu unseren neuen Frisuren wollte ich gerne auch mal wieder etwas an meiner Haarfarbe ändern und dachte, ich könnte ja mal Blondine sein. Nach dem Färben sah ich allerdings höchstens aus, als wäre ich ein wenig in der Sonne gewesen. Viel hat sich nicht getan.

ZielscheibeHier in Alaska ist schon ein deutlicher unterschied zu der Mentalität in Kanada zu spüren. Alles ist hier natürlich sehr amerikanisch. Als erstes fiel und aber der große Hang zu Schusswaffen auf. Nicht nur, dass es in den Supermärkten meist eine große Schusswaffenabteilung gibt, auch dass man hier gerne mal spaßeshalber aus dem Auto schießt. Das wird auf dem Highway zwar regelmäßig durch Schilder untersagt, doch die unzähligen, bereits durchlöcherten Ziele am Straßenrand sind auffällig.

Auch nicht ganz so schön ist die nicht vorhandene Privatsphäre auf öffentlichen Supermarktparkplätzen, auf denen wir – wenn wir wie momentan in Großstädten sind – nachts zu verweilen pflegen. So bemerkten wir beispielsweise gestern erst viel zu spät, dass wir sehr interessiertes Publikum hatten, während wir ausgelassen zur Musik hüpfend miteinander durch unser Wohnmobil tanzten.
Naja, egal, Entertainment liegt uns eben im Blut, oder zumindest einem von uns.

Cora

Sonntag, 31. Mai 2009

10 - Piraten der Straße

Nach Vancouver Island hatten wir wieder Festland unter den Füßen und das Reisen konnte weitergehen und so haben wir den nördlichsten Teil British Columbias hinter uns gelassen und haben es tatsächlich geschafft, die Grenze zum Yukon zu überqueren.

Faehre-nach-Prince-Rupert

Auf den Yukon und dessen Bewohner haben wir uns auch schon eingestellt. Die Moskitoplage der kanadischen Nordprovinzen ist ja legendär, weswegen wir uns bereits im Voraus einen Moskitotarnanzug zugelegt haben.

Fuer alle Faelle gewappnet

Auf dem Alaska Highway sind wir gen Westen nach Whitehorse gefahren. Die Fahrt war zwar teilweise hart, für und mit Bertha, da die Highways nicht immer asphaltiert sind, dafür konnten wir aber überwältigende Aussichten genießen. Auch viele wilde Tiere, wie Schwarz- und Braunbären und Elche haben wir oft aus sehr kurzer Distanz gesehen, wenn diese, meist unbeeindruckt, am Straßenrand futterten.

WOW

Seit einigen Tagen sind wir nun in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukons, wo wir mal wieder die Vorzüge der Zivilisation genießen, wie einkaufen, oder Wäsche waschen.
Außerdem habe ich – da mein technisches Equipment nach einem kleinen Bad im Nil im letzten Urlaub langsam den Geist aufgab – die günstigen Preise genutzt und mich mit neuer Digitalkamera und neuem Camcorder komplett neu ausgestattet. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Auf der Suche nach Action hat Ulrike endlich auch mal ein kleines Trostpflaster auf ihre Sportlerseele bekommen. Wir haben eine Kanu-Tagestour gebucht und ich musste mit. 7 schweißtreibende Stunden später, in denen wir bedauerlicherweise kein einziges Tier am Flusslauf gesehen haben, kamen wir am vereinbarten Treffpunkt an, wo wir leider vergessen wurden abzuholen. Nach 1,5 Stunden Warten, hat Ulrike mittels eines geliehenen Handys den „Notruf“ abgesetzt. Als Wiedergutmachung wurden wir auf Kosten der Agentur ins beste Restaurant der Stadt eingeladen, wo wir die teuersten Gerichte auf der Karte bestellten und es uns mal so richtig gut gehen ließen.
Außerdem konnten wir auf Kosten des Hauses noch eine Halbtagestour im Kajak unternehmen.

Auf dem Yukon River

Auch erwähnenswert ist Berthas neue Dekoration. Smutje-CoraIm Dollarladen haben wir für uns 3 Mädels hübsche Piratenkostüme gekauft. An Berthas Außenspiegel prangt eine Piratenflagge; auf dem Armaturenbrett glänzen die Golddublonen; ich trage Piratentuch und Augenklappe und auf Ulrikes Kopf sitzt der Kapitänshut und so versetzen wir die Leichtmatrosen und Landratten allerorts jetzt in Angst und Schrecken.

Hisst die Flagge

Beim Friseur wollten wir uns die dazu passenden Piratenfrisuren verpassen lassen, leider war das aber wohl nicht im Repertoire des Salons und so sehen wir jetzt nicht ganz so gefährlich aus wie geplant.

Als Abschluss unseres Whitehorseaufenthaltes waren wir heute im Wildlife Preserve, wo wir die Chance hatten, einheimische Tiere ganz aus der Nähe zu bewundern. Es war so faszinierend diese Tiere zu beobachten, dass dieses Erlebnis mit eines der schönsten war, die wir bislang in Kanada hatten.

Moose

Zu guter Letzt, bevor wir Whitehorse gleich verlassen, möchten wir an dieser Stelle einmal ein herzliches Dankeschön an alle begeisterten Leser und natürlich auch an Sponsoren richten. Das Spendenkonto der Organisation „Rettet Bertha – 33 ist doch noch kein Alter e.V.“ wird an Interessenten gerne weitergegeben.

Cora

Berthas Anzeige

Langsam müssen wir uns von Bertha trennen. Potentiell interessierte Käufer klicken hier

Herzlich Willkommen...



...in Cora's und Uli's Kanada-Tagebuch. Hier gibts, für alle die es interessiert, die neusten Neuigkeiten.


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