14 - Long Way Home
Das bisschen Haushalt macht sich von allein? Von wegen! Vor allem wenn man, wie wir gerade, sein Geld damit verdient, hinter anderen Leuten – Fremden noch dazu – herzuputzen. Der ein oder andere mag es vielleicht schon erraten haben, aber unsere neue BERUFung liegt im Bereich der Raumpflege. Kurz um im Putzen! Seit nunmehr drei Wochen sind wir als Zimmermädchen in einem der hiesigen Hotels angestellt und dürfen regelmäßig unsere Gäste mit dem freundlichen Ruf „housekeeping“ aus ihren Zimmern locken. 
Das Trinkgeld ist, wenn auch gelegentlich vorhanden, nicht besonders üppig. Dafür finden wir oft Zurückgelassenes, dessen wir uns nur zu gerne annehmen.
Getränkedosen im Kühlschrank, oder auch mal Lebensmittel, für die wir noch Verwendung haben. Dadurch hat sich ein ansehnlicher Vorrat an Bierdosen in unseren Schränken angehäuft und wir, die wir uns Alkohol hier noch nicht oft leisten wollten, werden nun mehr oder weniger genötigt allabendlich ein Bierchen zu trinken. Wir wollen es ja nicht schlecht werden lassen.
Neben der Arbeit wissen wir uns unsere Zeit hier in Whitehorse aber natürlich auch gut zu vertreiben. So haben wir beispielsweise die Grillsaison eingeläutet und schon mehrmals – von Ulrike eigenhändig im Kühlfach des Supermarktes geangelte – Fische auf dem Grill zu wahrhaften Gaumenschmausen verwandelt und es uns mit diversen anderen Köstlichkeiten auf einer Wiese niedergelassen und es und so richtig gut gehen lassen.Auch die Gelegenheit, bei einem Tagesausflug mit dem Zug die berühmte Whitepass Route zu fahren, haben wir uns nicht entgehen lassen.

Die Bahn brachte uns, auf der historischen und atemberaubend schönen Strecke, in das kleine Städtchen Skagway in Alaska, wo wir ein wenig Zeit hatten

in den vielen Geschäften unser Geld unter die Leute zu bringen. Das beeidruckendste aber war, dass wir dort die Wanderung der Lachse ganz aus der Nähe beobachten konnten. Tausende von Fischen, die sich stromaufwärts in Richtung Quelle kämpften, ein einmaliges Schauspiel, von dem wir uns nur schwer loseisen konnten.
Ein Erlebnis der dritten Art, war unsere Begegnung mit Dan, dem „Firefighter“. Dieser ist uns beim Grillen über den Weg gelaufen und hat uns direkt angesprochen, weil Ulrike ein Bier in der Hand hielt. Er bewunderte Ihren Mut, weil es ja hier verboten ist, öffentlich Alkohol zu konsumieren, was wir natürlich mal wieder vergessen hatten. Nach kurzem Geplänkel hatte er uns auch schon eingeladen mit seinem Tretboot auf den See zu fahren uns das Bier dort zu trinken - was wir auch direkt taten.
Im Anschluss entschied er, noch mit uns in der Stadt groß ausgehen und uns einladen zu wollen. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der kauzige Typ in der total zerfetzten Lederjacke, zum Gentleman im feinen Anzug und kurz darauf stand eine riesige schwarze Limousine samt Chauffeur vor der Tür. Ein sehr witziger uns unvorhersehbarer Abend nahm seinen Lauf.

Doch nicht nur wir fühlen uns hier wohl, auch Bertha fühlt sich ganz zu Hause. Zufälligerweise haben wir nämlich herausgefunden, das Whitehorse lange Jahre die Heimat unserer Bertha war. Es ergab sich nämlich, dass wir auf dem Walmartparkplatz ihren kleinen Bruder fanden und uns direkt neben ihn stellten.

Dessen Besitzer kam natürlich gleich an unsere Tür. Er hatte allerdings jemand anderen erwartet, da er den letzten Besitzer gut kannte. Und so stellte sich heraus, dass unsere Bertha den langen Weg nach Hause gefunden hat…
Cora
cora_und_uli - 17. August, 03:20

Langsam müssen wir uns von Bertha trennen. Potentiell interessierte Käufer klicken
