Samstag, 17. Oktober 2009

17 - Wo ist der Herbst?

10 Dinge, an denen man merkt, dass einen so langsam der kanadische Winter einholt:

1. Man schläft nur noch mit 6 verschiedenen, übereinandergestapelten Decken und mit Wollmütze auf dem Kopf.

2. Man wacht morgens auf und wundert sich, was auf dem Kopfkissen so nasskalt ist und stellt fest, dass tatsächlich der eigene Atem auf dem Kissen gefrohren ist.

3. Man geht am Morgen ins Bad und wirft versehentlich den am Vortag zum Trocknen aufgehängten Badeanzug herunter. Er fällt einem auf den Fuss und man schreit vor Schmerz auf, weil dieser steifgefroren ist.

4. Man will die Zähne putzen und hat Eisklümpchen auf der Zahnbürste.

5. Man hält sich mehr bei Wal-Mart auf, als zu Hause, weil es dort viel wärmer ist.

6. Man will Geschirrspülen und merkt, dass das Wasser in der Leitung gefroren ist, anschliessend will man aufs Klo gehen und stellt fest, dass natürlich auch diese Leitung eingefrohren ist.

7. Man geht nur noch auf öffentliche Toiletten.

8. Man will das Abendessen zubereiten und bemerkt erstaunt, dass das Olivenöl weiss und hart geworden ist.

9. Man trinkt lieber die Cola aus dem Kühlschrank, als das Wasser, dass auf dem Tisch stand, weil die wärmer ist.

10. Man wacht auf und kriegt beim Blick auf das Thermometer einen ordentlichen Schock, weil die INNENtemperatur auf fast -10º C gefallen ist.

Schnee

Irgendwie haben wir den Herbst verpasst. Gerade eben war noch Hochsommer und dann – ganz plötzlich und ohne Vorwarnung - stehen wir bis zum Knöchel im Schnee.
Wir waren aus Edmonton aufgebrochen, um uns die beiden großen Nationalparks Jasper und Banff anzusehen. Um die schönen Landschaften besser genießen zu können, haben wir einige kürzere Wanderungen unternommen und Wasserfälle, Stromschnellen und schöne Aussichten bewundert.

LakeLouise

Die Städte Jasper und Banff selbst, die den jeweiligen Mittelpunkt der beiden Parks darstellen, sind eher etwas für den Urlauber mit der dickeren Geldbörse und darum haben wir dort nicht allzuviel Zeit verbracht.
Gerade sind wir in DSCN0997Tiere haben wir leider nicht ganz so viele sehen können, denen war es wohl auch zu kalt, aber immerhin haben wir zwei riesige Caribou Hirsche beobachtet, wie sie in aller Seelenruhe durchs Dorf spazierten.
Nach einem kurzen Abstecher nach Calgary haben wir uns auf den Weg gen Osten gemacht, was hauptsächlich Fahren bedeutete, denn die beiden Provinzen Sasketchewan und Manitoba, durch die uns der Weg als erstes führt, wollen wir ohne längere Zwischenstopps hinter uns lassen. Etwas wirklich interessantes gibt es dort nicht zu sehen, hat man uns gesagt. So weit das Auge reicht nur Felder und Weiden, Stroh und Kühe. Darum wird das Gebiet auf "Grand Prairies" - die großen Prärien genannt. Aber uns hat es trotzdem - oder gerade deswegen - sehr gut gefallen.

stroh

Bei all der Fahrerei durch mehrere Zeitzonen in wenigen Tages, hat sich eine generelle Verwirrung bei uns eingeschlichen, wodurch wir nun irgendwie nie so genau wissen, wie spät es überhaupt ist. Daran hat man sich aber recht schnell gewöhnt, da wir ja keine festen Zeiten mehr für irgendetwas einhalten müssen.

EichhoernchenWinnipeg, in der Provinz Manitoba und durften feststellen, dass der Slogan, den die Provinz auf ihren Autokennzeichen propagiert, nicht einfach nur dummes Geschwätz ist. Er lautet: "Friendly Manitoba" und nachdem wir, wenn wir (also eigentlich Ulrike) draußen an Bertha gearbeitet haben, so oft Hilfe angeboten bekamen, dass man fast nicht zum eigentlichen reparieren kam. Da kamen Menschen vorbei, die Hilfe bei der Reparatur anboten, Menschen, die sich mit ihrem Auto vor Bertha stellen wollten um mit ihren Scheinwerfern unseren Motorraum zu erleuchten und Menschen, die einfach nur ein kleines Schwätzen halten wollten.

Auf unserem Weg in Richtung Osten wird es gerade glücklicherweise wieder etwas milder. Nach unserem kurzen, aber heftigen, ersten Zusammenstoß mit dem Winter, hoffen wir, dass wir vielleicht doch noch etwas vom Herbst und dem berühmten Indian Summer sehen können.

Cora

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