Dienstag, 19. Mai 2009

09 - Das Motorhome Tagebuch - Das spannende Leben von Big Bertha

Mit der Fähre haben wir Vancouver verlassen und unser Reiseabenteuer damit eingeläutet.

Von Vancouver nach Vancouver Island

Nun liegt unsere Woche auf Vancouver Island bereits hinter uns und diese wenigen Tage waren etwas knapp bemessen. Vor allem wenn man bedenkt, dass es hier über die Berge steile Wege zu bewältigen galt und unser Motorhome, „Big Bertha“, ihres Zeichens eher schon eine betagte Bergziege ist, die auf Grund ihres Alters nicht mehr gewillt ist, Berge von knapp 2000 m Höhe zu erklimmen. So mussten wir doch etwas an den vielen Möglichkeiten kürzen und sind nach einem kurzen Abstecher zur Westküste schnell über die Ausläufer der Berge in den Osten gehüpft. Dort haben wir dann auch unsere ersten Schwarzbären gesehen, unerschrockene Rehe, einige Stinktiere und Waschbären und ganz frische Pumaspuren. Außerdem waren wir einige Male wandern.

nach Vancouver Island

Doch nicht nur die spannende Tierwelt und die wunderschönen Ausblicke Vancouver Islands haben uns beschäftigt, sondern auch die Stimmungsschwankungen und Launen von Big Bertha. Wir blicken zurück auf eine erlebnisreiche Woche:

unser Motorhome

Tag 1

Problem: Wir verlieren grüne, nicht zuzuordnende Flüssigkeit und Öl an mindestens 5 verschiedenen Stellen.
Lösung: Wir füllen die Flüssigkeiten wieder nach, zumindest die von denen wir denen wir wissen, woher sie kommen, und hoffen das Beste.


Tag 2

Problem: Komische, beängstigend schleifende Geräusche sind relativ laut aus dem Motorraum zu hören.
Lösung: In den Notizen, die Raymond uns mitgegeben hat, finden wir, dass wir Power Steering Fluid nachfüllen müssen, wenn ein „funny noise“ zu hören ist. Alles geht wieder, aber auffüllen müssen wir das nun täglich.


Tag 3

Auspuff-verlorenProblem: An der Tankstelle stellen wir fest, dass unser Auspuffrohr runtergefallen ist und wir es wohl schon einige Kilometer hinter uns herschleifen.
Lösung: Weil das Rohr komplett durchgerostet ist, kann es nicht wieder angebaut werden, also entfernen und entsorgen wir es. Klappt auch ohne!

Problem: Der Lautsprecher im Beifahrerbereich fängt an laut zu rauschen und geht dann gar nicht mehr. Diagnose: Kalte Lötstelle.
Lösung: Wir tauschen ihn gegen einen Lautsprecher aus dem Schlafzimmerbereich aus.

Tag 4

An der Unglücksstelle Mit dem Rad nach Hilfe suchenProblem: Mitten auf dem Highway führt plötzlich die Betätigung des Gaspedals nicht mehr zum gewünschten Antrieb des Fahrzeuges. Schließlich bleibt Bertha ganz stehen und will auch gar nicht mehr anspringen.
Lösung: Da wir einige Kilometer vom nächsten Dorf entfernt sind und auch keinen Handyempfang haben, sichere ich die Unglücksstelle professionell ab und Ulrike alarmieren per Fahrrad 2 Holzfäller, die uns zur Hilfe eilen. Nach 2 Stunden rumprobieren schaffen sie es, Bertha zumindest temporär wieder in Gang zu setzen, so dass wir die nächste Werkstatt ansteuern können.

Problem: Nach den Reparaturarbeiten unserer beiden Holzfällerfreunde, funktioniert der Drehzahlmesser nicht mehr.
Lösung: Als dann ein kanadisches Hardcore-Schlagloch mit knapp 60 km/h durchfahren wird, geht er wieder.

Problem: Unser Benzintank war mit knapp 200 Litern gefüllt, als wir Vancouver verließen. Seitdem sind wir nie mit Benzin, sondern immer nur mit Propangas gefahren. Seltsamerweise ist unser Benzintank jetzt aber knochentrocken.
Lösung: Keine Ahnung! Wir haben 3 Lösungsansätze.
1. Wir haben ein Leck im Tank und haben irgendwie, ohne es zu bemerken, eben mal schnell 200 Liter Benzin verloren.
2. Irgendein Idiot hat es uns, während wir schliefen oder nicht da waren, geklaut.
3. Wir verbrauchen das Benzin ohne es zu wissen, weil ja am „Auto“ irgendetwas kaputt ist.
Wir füllen 30 Liter ein und beobachten das nun mal!

Tagesendlösung: Wir gönnen uns eine Pizza und gehen zum ersten Mal in einen Liquor-Store und kaufen eine Flasche Vodka – Alles gut! Es ist allerdings nur eine kleine Flasche, die wir dann auch nur zu einem Bruchteil leeren. Unsere deutschen Lebern haben eben noch lange kein kanadisches Ausmaß.


Tag 5

Problem: Wir stellen fest, dass Ulrike gestern, als sie mit dem Rad Hilfe organisierte, unsere Wagenpapiere verloren haben muss. Jedenfalls sind sie jetzt weg.
Lösung: Wir fahren knapp 40 km zurück um den Straßenrand nach dem Mistzeug abzusuchen, leider erfolglos. Jetzt haben wir halt keine Fahrzeugpapiere mehr, auch egal!

Problem: Der Mechaniker in der Werkstatt diagnostiziert irgendetwas kaputtes, das ausgetauscht werden muss, falls wir auch wieder mit Benzin fahren können wollen. Da es nicht überall Propangas zu tanken gibt, muss das wohl sein. Kostenfaktor: Knapp 700 $ (ca. 400 €). Das kann er aber erst morgen machen, weil das Teil bestellt werden muss.
Lösung: Wir haben ihn gefragt, ob wir den Rechnungsbetrag mit Autowaschen abarbeiten können, geht aber nicht. Zum Glück haben wir noch Vodka! Dazu würden wir gerne die Reste der Pizza essen, doch leider habe ich anscheinend versehentlich den vollen Pizzakarton entsorgt und den mit den Abfällen behalten. Mist! Dann halt nur Vodka!


Tag 6

Heute nur Lösungen: Wir lassen Bertha reparieren. Das Ding, dass ihr neu eingesetzt wird – wir haben es nachgeschlagen – ist ein Vergaser. Es dauert genauso lange und kostet genauso viel, wie am Tag zuvor besprochen. Das ist doch schon mal was.
Außerdem stellt uns der nette Mechaniker das Standgas neu ein und bindet einige Kabel, die zu nahe an heißen Stellen hängen, aus dem Gefahrenbereich. Er erklärt uns, dass die grüne Flüssigkeit, die wir verlieren, Frostschutzmittel ist. Im Anschluss kaufen wir neue Birnchen für unsere Esszimmerlampe und besorgen neue Wagenpapiere. Das war ja einfach.
Bertha läuft wieder spitzenmäßig!


Tag 7

Problem: Langsam geht uns das Öl zum Nachschütten aus und da wir Unmengen davon verbrauchen, brauchen wir dringen Nachschub. Da wir Anfangs noch nicht wussten, wie groß unser Bedarf ist, waren unsere Ölvorräte begrenzt, hier kostet es allerdings wesentlich mehr.

unterm Auto

Lösung: Wir entscheiden uns, zusätzlich ein ähnliches Öl zu kaufen und dieses mit dem richtigen zu mischen. Das ist günstiger und wird schon gut sein. Außerdem befestigen wir mit einer Kordel-Kabelbinder-Konstruktion eine leere Olivendose am Fahrzeugboden, direkt unter unserem Hauptleck. So verpesten wir die Umwelt nicht mehr ganz so stark. Zusätzlich kaufen wir ein Teesieb um das hoffentlich aufgefangene Öl noch mal verwenden zu können, schließlich läuft es fast schneller raus, als wir es reinschütten.


Cora

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Langsam müssen wir uns von Bertha trennen. Potentiell interessierte Käufer klicken hier

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