Freitag, 6. November 2009

18 - Go East

Liebe Fans,

Was ist los mit euch? Seid ihr schon im Winterschlaf, oder habt ihr kollektiv so was wie Fingerstarre? Wieso schreibt uns eigentlich gar niemand mehr???
Da saugt man sich den letzten grammatikalischen Saft aus den Gehirnwindungen und kriegt absolut keine Reaktion... Man, man, man - das nenn ich mal undankbar. Für was haben wir diese Homepage schließlich?! Um euch - werte Zurückgebliebene - an unserem spannenden Leben teilhaben zu lassen. Und wir wissen noch nicht einmal, ob ihr überhaupt noch lebt... Das wäre im Übrigen die einzige akzeptable Entschuldigung.
Also - nun ist Schluss mit dem lethargischen Spannen und dem einseitigen Schreiben; ich will endlich wieder ein paar Lebenszeichen sehen!

wildgaense

Bei uns hat sich seit dem letzten Eintrag auch einiges getan. Nach der Eiszeit (mit zum Teil -17 Grad Nachttemperatur) kam der Herbst und wir genießen ihn solange es noch geht. Wir sind nun im wunderschönen Ontario angekommen. Es ist kein Wunder, warum hier ein so großer Teil der Kanadier lebt. Immer wieder glasklare Seen, deren Größe zwischen Kategorie Gartenteich und der Größe von Deutschland variieren; damit meine ich natürlich den Lake Superior. Für die Fahrt von dessen einem Ende im Westen, bis zum anderen Ende im Osten, haben wir allein schon 3 Tage gebraucht. Ok, mit unserer Turbo-Bertha und unseren obligatorischen Touriepausen - die wegen vieler geschlossener Einrichtungen immer spärlicher werden - ist das vielleicht nicht so aussagekräftig, doch vielleicht kann man dadurch ein bisschen mehr von dessen Größe erahnen. Ich persönlich komme mir ja über lange Strecken hinweg vor wie am Meer, da man selbst bei besten Sichtverhältnissen kein Land am Horizont sehen kann (auch nicht mit Fernglas).

Irgendwo auf der Stecke hat Cora dann auch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk von der Provinz Ontario bekommen. Wir haben nämlich an dem sauschweren Wettbewerb "Canadas Best Tourie 2009" teilgenommen. Über 138 Fragen zu den Themen Land, Leute, Umweltschutz, heimische Tier- und Pflanzenwelt, Ureinwohner und Klimawandel mussten wir so schnell wie möglich beantworten und der Sieger konnte dann eine Straße gewinnen. Tja - die kann man zwar dann nicht mit nach Hause nehmen, doch man kann immer damit angeben, dass eine Straße in Kanada nach einem benannt wurde. Und was soll ich noch sagen, außer, dass Cora es irgendwie geschafft hat, bei mir abzuschreiben und trotzdem die schnellere Zeit zu haben. Ärgerlich, aber nun hat sie ihren "Cora Drive"!
So, oder auch ganz anders könnte es gewesen sein.

CoraDrive

Auf unserer Reise gen Osten haben wir nun endgültig der großen Einsamkeit, den unberührten Naturabschnitten und den langen Strecken ohne Zivilisation den Rücken gekehrt. Mit dem Durchfahren von Ontario sind wir nun, wie bereits erwähnt, im bevölkerungsreichsten Teil Kanadas angekommen. Ottawa, Montréal und Québec warten noch von uns entdeckt zu werden, doch eine Megastadt haben wir bereits erobert: Toronto. Alle haben uns gewarnt bloß nicht mit Big Bertha in die Stadt zu fahren, und so haben wir unsere alte Lady 20km entfernt von Downtown (aber natürlich schon längst in der Stadt) bei einer Mall geparkt und die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt. Das war auch ziemlich clever, denn die U-Bahn ist super billig und die Nachtbusse befahren durchgehend die ganze Stadt. Natürlich mussten wir das nutzen und haben uns einen 3-Punkte-Plan ausgearbeitet:

Punkt 1: der begeisterungsfähige Tourie:
CNTowerNachdem ich mich im Vorfeld eingehend via Reiseführer belesen habe, und auch Cora ein paar kurze Stichpunkte näher bringen konnte, ohne sie mit Details zu sehr zu langweilen, plünderten wir die Reisekasse und fuhren mit dem Aufzug zur Besichtigungsplattform des CN-Towers, des mit 553m hoechsten Gebäudes der Welt. Anschließend bestiegen wir einen Doppeldeckerbus und saugten auch noch all die anderen Sehenswürdigkeiten in uns auf. Die Stadt hat's wirklich in sich! Riesig groß, hektisch, aber immer noch mit liebenswerten Wohngebieten. Ein Schmelztiegel unterschiedlicher Nationen, in welchem aber das Miteinander toll zu funktionieren scheint. Wirklich sehr beeindruckend!

Blickvonoben

Punkt 2: der konsumfreudige Tourie:
Diese Stadt hat nicht nur oberirdisch viel zu bieten, sondern sie lebt auch unterirdisch. Nachdem es hier länger kalt als warm ist, haben sich die Architekten viel Mühe gegeben einen Großteil der Innenstadt (26km) durch unterirdische Tunnel so miteinander zu verbinden, dass man im Warmen von einem Gebäude zum nächsten gelangen kann. Und damit einem auf dem Weg nicht langweilig wird, oder man gar Hunger leiden muss, sind dort überall links und rechts Einkaufsmöglichkeiten, die auch bereitwillig genutzt werden.

Punkt 3: der nachtaktive Tourie:
Wir hatten das Glück am Wochenende in Toronto zu sein, und nachdem wir während unseres Aufenthalts selten die Möglichkeit hatten auszugehen, war nun die Gelegenheit gekommen. Am Freitag gingen wir tanzen, doch in Zukunft müssen wir uns auch dafür im Vorfeld etwas mehr informieren. Der Grund ist, dass sogar Cora - die gerade mal 27 wurde - sich schon "alt" fühlen musste. Sehr bedenklich, aber mir kann das mit meinen 32 nur recht sein.

Kerzen

Als wir dann später mit dem Nachtbus nach Hause fuhren, gab's dann auch gleich eine Auseinandersetzung in kanadischer Manier: Hier schlagen sich die Jungs nicht - nein, hier machen sie doofe Witze, drohen und rufen im Anschluss gleich laut nach der Polizei. Sehr lustig war dann, als ein unbeteiligter den gesamten Bus anstiftete mit ihm im Chor zu schreien, dass einer der Typen aus dem Bus fliegen soll. Hat nicht ganz geklappt, aber der Busfahrer hat irgendwann die Nerven verloren, Kuerbiseist mit Warnblinklicht rechts rangefahren und hat verkündet, dass sein Bus nun leider "out of order" ist und wir den nächsten nehmen sollen. Da erlebste was...
Am nächsten Tag war Halloween und da mussten wir natürlich auch wieder in die Stadt. Später hätten wir uns am liebsten in den Allerwertesten gebissen, dass wir den Foto vergessen haben. Die komplette Church Street war für ein Straßenfest der besonderen Art gesperrt. Hunderte Maskierter und Schaulustiger säumten die Straße. Von überall her drang Musik und alle waren in Feierstimmung. Eine tolle Atmosphäre!

Masken

Tags darauf haben wir uns auf den Weg zu den Niagara Fällen gemacht. Die sind gerade mal 130km von Toronto entfernt und das bedeutet auf kanadisch quasi in Greifweite. An der Touristenatraktion selbst kann man nur mit einem prall gefüllten Geldbeutel parken, von daher haben wir für unsere Bertha einen Parkplatz 5km abseits gesucht und die Räder abgespannt. Bei strahlendem Sonnenschein radelten wir dann am Erie See in Richtung Stadt – dem immer lauter werdenden Donnern entgegen.

Hinterden-Faellen

Mitte November ist auch eine super Zeit, um sich ein Naturschauspiel anzusehen, welches jährlich mehr als 12 Millionen Menschen besuchen. Wir konnten ungestört den Blick von jedem beliebigen Punkt schweifen lassen und haben selbst einen kleine Exkursion hinter die Wasserfälle unternommen. Da bekommt am am besten ein Gefühl für die Kraft, mit der das Wasser hier die 54m in die Tiefe stürzt. Ist schon sehr beeindruckend.

wassermassen

Was aber im starken Kontrast dazu steht, ist die Stadt, die sich drum herum gebildet hat. Am besten kann man sich den Ort wie eine Kreuzung aus Las Vegas und Disney World vorstellen. 1000 blinkende, bunte Lichter und dröhnende Lautsprechermusik sollen die Besucher in verschiedene Spielhallen, 4D-Kinos, Lokale und Bars locken. Das ist nicht unbedingt das, was wir mit einem Naturschauspiel in Verbindung gebracht haben... aber die Leute scheinen es zu mögen.

Was uns betrifft, wir befinden uns nicht nur im kanadischen Herbst, sondern auch im Herbst unseres Urlaubes. 9 spannende Monate sind vergangen und die letzten 3 Monate stehen uns noch Baerenangriffbevor. Da macht man sich schon mal Gedanken, was da noch kommt und wie man die Aufgaben meistern könnte. Der Moment, vor dem wir uns jetzt schon fürchten, ist der, an dem sich die Wege von Big Bertha und uns trennen. Durch die Höhen und Tiefen, und die tausenden von Meilen, die wir zusammen gefahren sind haben wir die alte Lady wirklich lieben gelernt und können und wollen uns ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Sie jedoch mit nach Deutschland zu nehmen, und sie dort TÜV-tauglich zu bekommen... ich erinnere mich an den Auspuff, den wir ganz am Anfang irgendwo verloren haben, die Kühlerflüssigkeit, die sich nach jeder Fahrt auf den Parkplatz ergießt, die Olivendose, die die Servolenkungsflüssigkeit auffängt, oder auch den Stoßdämpfer, den ich mit Schrauben aus dem Baumarkt irgendwie wieder festgeschraubt hab... ach ja; kurz und gut: es wäre ein teurer Spaß, um nicht sogar zu sagen unbezahlbar.
Die Lösung des Problems erhoffen wir uns in schnellem Reichtum. Deshalb spielen Cora und ich nun alle 14 Tage Lotto. Wir haben Bertha versprochen, dass wir sie mitnehmen, wenn wir im Lotto gewinnen und sie via "pimp my ride" zu einem Motorhome der Superlative umstylen lassen. Also- Daumen drücken!

altelady

Und noch eine Info am Schluss: Cora hat keinen Mühen gescheut, um euch, werten Lesern, den Verlauf unserer Reise auch visuell noch etwas besser zu veranschaulichen. Auf unsere Kanadakarte (oben links auf der Homepage) erkennt ihr nun ganz einfach unsere bisherige Reiseroute und unseren aktuellen Standort. Am besten schaut ihr es euch gleich einmal an.

Also ihr Lieben, haut in die Tasten und drückt uns die Daumen!

Liebste Grüße aus der Ferne,
eure Uli

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Langsam müssen wir uns von Bertha trennen. Potentiell interessierte Käufer klicken hier

Herzlich Willkommen...



...in Cora's und Uli's Kanada-Tagebuch. Hier gibts, für alle die es interessiert, die neusten Neuigkeiten.


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