Freitag, 15. Oktober 2010

Bewegte Bilder

Ihr Lieben,

es ist schon eine Weile her, dass wir den letzten Eintrag verfasst haben und ich weiß auch nicht, ob jetzt, da wir wieder zu Hause sind, überhaupt noch jemand die Seite hier besucht, aber eines wollte ich trotzdem noch schreiben:

Der Film ist fertig!
Eigentlich schon seit einer ganzen Weile, aber ich habe nicht daran gedacht, dass auch hier kund zu tun.

Wer Interesse hat, melde sich einfach!

Liebe Grüße,
Cora

Sonntag, 21. Februar 2010

23 - Heimatgefühle

Mit schweren Herzen und gesenkten Köpfen sind wir zum Flughagfen gefahren. Unsere Kanadischen Adoptiveltern Danny und Lillian haben uns dort verabschiedet.

Tage-, ja fast wochenlang, waren wir zuvor damit beschäftigt, unsere Koffer zu packen. Das stellte sich als kompliziert heraus, da wir (aufgrund von Regeländerungen) pro Person 18 Kilo Gepäck weniger mit zurück nehmen durften, als auf dem Hinweg. Und wir hatten beide reichlich eingekauft.
Letztendlich mussten wir alles, was nicht mehr in die Koffer passte und etwas schwerer war, einfach anziehen. So gaben wir am Flughafen, jeweils in 3 - 5 Schichten gekleidet und nass geschwitzt, sicherlich ein lustiges Bild ab.

Dieser Abschied fiel uns weitaus schwerer als der aus Deutschland vor rund einem Jahr. Damals wussten wir genau, wann wir wieder zurück sein würden, wann wir die Menschen, die wir lieben, wiedersehen. Wir waren nur aufgeregt, weil wir nicht wussten, was uns in der Fremde, auf unserem großen Abenteuer, erwarten würde.

Abflug

Rückblickend können wir sagen: Was uns erwartete war ein riesiges Land voller großer und kleiner Wunder. Ein Land mit gigantischen Naturschauspielen und beeindruckenden Panoramas. Ein Land in dem sich jede Menge wilder Tiere heimisch fühlen können, von denen wir auch einige sehen durften.
Und nicht zuletzt: Ein Land voller unsagbar netten Menschen, die glücklich sind, wenn sie sich mit dir unterhalten, etwas über dich erfahren, oder dir sogar helfen dürfen.
Und nun, nach diesem einem Jahr, sind wir über glücklich, einige dieser tollen Menschen, die wir in unsere Herzen geschlossen haben, unsere Freunde nennen zu dürfen!

Für das komplette Jahr haben wir folgende Statistik vorzuweisen:
Durchquerte Zeitzonen: 6
Besuchte Provinzen, Territorien und US-Staaten: 11
Gefahrene Strecke: 22.983 km
Nächte in Bertha: 259
Platte Reifen: 10
Gelesene Bücher: 26
Kinobesuche: 25

Nun sind wir wieder in Deutschland, trotz aller Wehmut über den schweren Abschied, natürlich froh wieder zu Hause zu sein, gewöhnen uns an den alten Alltag, machen Behördengänge und stürzen uns in die Arbeitssuche.
Und darum möchten wir uns bedanken, bei allen, die unsere Berichte gelesen, kommentiert und aus der Ferne interessiert an unseren Erlebnissen teilgehabt haben. Es war schön euch alle auf unserer Reise dabei zu haben!

Bis zum nächsten Mal - Dann wieder hier in Deutschland,
eure Cora und eure Uli

Freitag, 5. Februar 2010

22 - Der Sonne entgegen

nskuesteNach unserem letzen tierischen Erlebnis im Hundeschlitten, galt es nun dem grossen Abenteuer einen würdigen Abschluss zu verleihen.
Mit unserer treuen Bertha gingen wir die letzten 400km an der wunderschönen Ostküste von Nova Scotia an. Es ist noch immer sehr kalt, doch die Sonne lachte uns meist ins Gesicht und es ist schwer in Worte zu fassen, wie einem das Herz mit jedem Kilometer schwerer wird, wo doch alles so Perfekt scheint. Die Vorfreude auf Zuhause, auf zurückgelassene Freunde und Familie, wächst proportional zu der Trauer, die sich einschleicht, weil wir genau wissen, was wir hier zurücklassen werden.

peggyscove2

Bertha hat uns auch auf den letzten Killometern die Treue gehalten und so sind wir am 12.01.2010, nach 22.983 gemeinsam zurückgelegten Kilometern, wohlbehalten über die Stadtgrenze von Halifax gefahren. Was es nun noch zu regeln galt war es unserer liebgewonnenen Begleiterin ein gutes, neues Zuhause zu suchen. Dies gestaltete sich leider, wie schon erwartet, nicht so einfach. Wir haben Internetanzeigen geschaltet und in Kneipen Flyer verteilt. Einige Interessenten haben sich auch eingefunden, doch es dauerte eine ganze Weile, bis wir einen würdigen Käufer gefunden hatten. Dieser kam kurzfristig um 6 Uhr morgens, feilschte wie ein ein Weltmeister und gab uns, nachdem wir uns auf einen Preis geeinigt hatten, eine Stunde Zeit, um unsere Habseligkeiten aus Bertha zu räumen. Damit hatten wir nicht gerechnet! Doch vielleicht war es auch gut so, denn der Abschied schmerzte mehr, als wir erwartet hatten. Unser guter Freund Alex aus Vancouver formulierte es ganz passend mit den Worten: "...sie ist wie ein ungehorsames Kind, dem man nicht böse für seine Fehler sein kann...". So war das letzte, das wir von Bertha sahen, wie sie mit quietschenden Bremsen und kreischendem Lenkeinschlag in einer Senke um die Kurve bog und mit Ed in ein neues Abenteuer, Richtung New Glasgow, Nova Scotia aufbrach.

peggys-cove

Da saßen wir nun, mit unseren Koffern, irgendwo in Halifax und noch 2 Wochen bis zum Abflug. Doch auch das war überhaupt kein Problem. Schließlich hatten wir vor einigen Wochen Alma und Florence kennengelernt und zufällig hat Florence einen Onkel in Halifax. Dieser Onkel heißt Danny und er, samt Frau Lillian, haben uns vom ersten Tag an in ihr Herz geschlossen. Nachdem wir schon vor unserem Verkauf zusammen im Kino, mehrmals zum Essen und auch zum Parken in deren Einfahrt eingeladen waren, war es überhaupt keine Frage, wo wir in der letzten Zeit schlafen sollten. Ganz selbstverständlich wurden wir aufgenommen und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, haben uns Danny und Lillian schon am zweiten Abend ganz offiziell in ihre Familie adoptiert. Das war für uns einfach unfassbar!

bei-starks

Wie es sich für eine richtige Familie gebührt, bemühten sich auch alle uns die neue Heimat näher zu bringen. So haben wir beispielsweise Stadtrundfahrten mit Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten in Dannys Auto unternommen, wurden in der Nachbarschaft von Dorothy uns Alvin zum Abendessen eingeladen, oder haben auch ganze Tagesausflüge mit unserer neuen Schwester Janet zum malerischen Peggys Cove oder in die nette Kleinstadt Truro gemacht.

geschwister

Es gibt viel zu sehen und zu erleben, doch die Zeit wird langsam knapp. Am Wochenende waren wir noch einmal mit Janet und Schwester Angela in Downtown feiern und unsere neuen Eltern bowlen uns immer donnerstags in Grund und Boden.

beim-bowlen

Diese selbstlose Hilfsbereitschaft möchte ich mir auch zu eigen machen und so begab es sich auf einem unserer letzten Streifzüge durch die Stadt, dass ich eine 24jährige vor dem vermeintlichen Tod retten konnte. Sie saß auf dem Geländer eines Parkhauses im ersten Stock und schrie lauthals, dass das das Ende sei und sie nun springen werde. Ich versuchte sie davon zu überzeugen, dass sie sich beim Sprung aus solch schwindelerregender Höhe ins daruntergelegene Blumenbeet wahrscheinlich nicht mal den Fuss stauchen würde, doch sie war nicht zu beruhigen. Die meisten Passanten waren sich mit Cora einig, dass dies lächerlich sei und gingen kopfschüttelnd weiter. Ich jedoch ging in zu ihr hoch und zerrte sie vom Geländer. Leider wollte sie sich auch nicht weiter mit mir über ihre Probleme unterhalten und so musste ich sie nach kurzem Dialog wieder sich selbst überlassen. Wir verständigten den Sicherheitsdienst des Einkaufszentrums, weil wir uns nicht sicher waren, ob die junge Frau sich nicht gleich wieder auf des Geländer setzen würde...

tattoo

Ich persönlich wollte diesem Jahr eine besonde Ehre auf meinem Körper zuteil werden lassen und so bin ich, hier in Halifax, zu einem Tatowierer gegangen und habe mir zum Abschluss ein rotes Ahornblatt auf den Fuss tätowieren lassen. Nicht, dass ich befürchte das Abenteuer Kanada je zu vergessen, doch es war so einschneident, dass ich mich gerne bei dessen Anblick immer wieder kurz daran zurückerinnern möchte.

Bis die Tage,
Eure Uli

Dienstag, 12. Januar 2010

21 – Tierisches Vergnügen

Die Feiertage haben wir ganz wundervoll verlebt. Wir haben uns über Weihnachten in ein Hotel eingebucht und fünf Tage lang den ganz normalen Luxus genossen ein warmes Zimmer, ein Bad mit fließendem Wasser und einen Fernseher zu haben. Und Ulrike war glücklich den hoteleigenen Fitnessraum nutzen zu können.
Wie haben das Zimmer ausgiebig weihnachtlich geschmückt, eine Lebkuchengrippe mit Knetfiguren gebastelt und Bowle gemacht. Clever wie wir sind, haben wir unseren Zweiplattenherd mit ins Zimmer geschmuggelt um festliche Weihnachtsgerichte zaubern zu können und so war es fast so gemütlich wie zu Hause.

weihnachten

Nachdem die Weihnachtstage wieder viel zu schnell vorbei waren, haben wir uns auf gemacht um Kanadas kleinste Provinz zu erkunden. Die Insel Prince Edward Island, die hier nur kurz P.E.I. genannt wird, ist über die 12,9 km lange Conferderation Bridge mit dem Festland verbunden.

bruecke

Auf der Brücke ist überholen strengstens verboten und es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Wir hatten also leichte Bedenken einen größeren Stau hinter uns zu verursachen. Zum Glück war aber kaum Verkehr und so sind wir schön gemütlich auf die andere Seite getuckert.sonnenuntergang
P.E.I. ist berühmt für seine Kartoffeln und in den Sommermonaten pilgern viele Touristen an die Küsten der Insel, die sich in einen einzigen Strand verwandeln. Im Winter macht dort eher niemand Urlaub. So sind wir von vielen der unglaublich netten Inselbewohner, mit verständnislosem Ausdruck auf dem Gesicht, gefragt worden, was wir denn jetzt hier machen.

Schneesturm

Schon am zweiten Tag gerieten wir in einen starken Schneesturm. Als wir schließlich nicht mehr weiterfahren konnten und in einem kleinen Dorf auf einem öffentlichen Parkplatz anhielten, dauerte es keine zwei Minuten bis ein besorgter Mann aus dem schneebaumNachbarhaus zu uns kam. Er lud uns ein hereinzukommen, mit ihm und seiner Familie zu essen – und auch zum Schlafen sei es in Bertha ja wohl zu kalt. Als wir dankend und etwas verlegen - wegen all der Großherzigkeit – ablehnten, verschwand er wieder im Haus und schickte seine Frau zu uns, um uns davon zu überzeugen, dass sie nette Menschen sind und wir doch ins Warme kommen sollen.
Deutsche Stoffel, die wir nunmal leider sind, haben wir erneut abgelehnt und uns später über uns selbst geärgert.

hummerEin Abenteuer der ganz anderen Art hat uns erwartet, als wir die Insel bereits fast ganz umrundet hatten. Dort haben wir uns zur ersten guten Tat im neuen Jahr entschlossen.
In unseren selbstgestalteten, knallroten T-Shirts mit der Aufschrift „Lobster rescue Team - 2nd Chance“ und mit Kriegsbemalung, haben wir die Fischtheke im nächstgelegenen Supermarkt gestürmt und die beiden Hummer unserer Wahl gekauft – natürlich lebend. In einer kleinen Wanne haben wir sie ins Wohnmobil geladen und sind zu einer Stelle am Meer rescueteamgefahren, die uns zuvor von Hummerkennern empfohlen wurde, und haben unsere zwei Hummerfreunde wieder zurück ins Meer geworfen.
Wir drücken die Daumen und hoffen das Beste für ihre zweite Chance.

Da wir mittlerweile bereits Januar schreiben und unser großes Abenteuer sich dem Ende entgegen neigt, müssen wir langsam, wohl oder übel, damit anfangen eine neue Familie für Bertha zu suchen. Wir haben Anzeigen für sie ins Internet gestellt und rund ums Wohnmobil Schilder angebracht. Besonders wohl ist uns nicht, bei dem Gedanken Bertha zurückzulassen.

ForSale

Aber da wir, trotz fleißigem Versuchen, noch immer nicht den kanadischen Lotto-Jackpot geknackt haben, bleibt uns wohl nichts anderes übrig.
Als zusätzliche Schwierigkeit hat sich herausgestellt, dass es im Gegensatz zu den West- und Mittelkanadischen Provinzen hier im Osten sehr wohl so etwas wie einen TÜV gibt. Diese neue Erkenntnis ruft uns doch gleich den verlorenen Auspuff, diverse Lecks, die eingeflexten und geklebten Bremsen, Risse in der Windschutzscheibe und einiges andere in Erinnerung.

Hundeschlitten4

Mittlerweile sind wir in Nova Scotia, unser letzten Provinz, angekommen. Bis nach Halifax, unserer Endstation, sind es nur Hundeschlitten3noch etwa 200 km – auf dem direkten Weg. Trotzdem sind wir noch eine kleine Schleife gefahren um eines der ganz großen Vorhaben für unseren Kanadaaufenthalt zu verwirklichen. Hundeschlitten fahren!
Die ganze Nacht haben wir vor Aufregung kaum eine Auge zugetan und als es dann losging war alles super spannend. Die kanadischen Eskimohunde, die die Schlitten gezogen haben, sind sehr nahe mit dem Wolf verwandt. Was man schon aus der Entfernung riecht und hört. Vor den Schlitten waren sie kaum zu halten und wollten unbedingt los. Jeder hatte ein Team von drei Hunden. Wir durften selbst der Hundeschlittenführer, der sogenannte Musher sein und unserem Team die Befehle geben. .Hundeschlitten2Allerdings muss man sich erstmal daran gewöhnen, dass man die Schlitten selbst gar nicht lenken kann, dafür hat man aber eine Bremse
Hundeschlitten fahren ist auch viel mehr körperliche Arbeit als man denken möchte, zumindest wenn man durch unebenes Terrain fährt. Hundeschlitten1Geht es bergauf, so muss man eben abspringen und den Schlitten auch mal selbst anschieben.
Alles in allem ein ganz tolles Erlebnis, das wir irgendwann bestimmt auch wiederholen werden.

Bis zum nächsten Mal,
eure Cora

Montag, 21. Dezember 2009

21 - Fröhliche Weihnachten

Wir wünschen allen, die uns durch das Jahr begleitet haben, schöne Weihnachten und für's neue Jahr viel Schwein :)

Weihnachtsgruesse

Mittwoch, 16. Dezember 2009

20 - Früchte des Meeres

wanderspassUm das nächste Stückchen des Landes zu erobern mussten wir erstmal des St. Lorenz Strom überqueren und das ging am einfachsten per Fähre. Die Fahrt dauerte nur 2 Stunden, doch der starke kalte Wind ließ das Schiff schön schaukeln, so dass wir beide ein wenig mitgenommen waren und ich mich die komplette Zeit über an einer der überall bereitgelegten Tüten festklammerte und froh war, als wir wieder festen Boden unter den Füßen und Rädern hatten.

Im Forillion Nationalpark haben wir das schöne Winterwetter für einige Wanderungen genutzt, zu denen ich mich - da Wandern ja nicht zu meinen ganz großen Leidenschaften zählt - von Ulrike habe überreden lassen. Es hat sich aber gelohnt, vor allem, weil ich unterwegs mit ein paar Waldbewohnern Freundschaft geschlossen habe.

vogel

Anfang Dezember war es endlich an der Zeit Bertha entgültig für die anstehenden Festlichkeiten zu dekorieren und so haben wir uns einen kleinen Weihnachtsbaum gekauft. Den haben wir stolz in der Fahrerkabine aufgestellt, mit dem Getränkehalter als Christbaumständer. Diese Meisterleistung der Montage mussten wir jedoch schon nach einem Tag wieder zu nichte machen, als uns auffiel, dass man nun leider eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Straße hatte. Nach einigem hin und her haben wir den Baum nun an der Kühlerhaube befestigt und ihn nicht mit Lichterketten und Kugeln, sondern mit einer hübschen Schleife geschmückt, und tragen ihn wie eine Gallionsfigur vor uns her.

weinachtsbertha

Die Provinz Quebéc haben wir mittlerweile hinter uns gelassen und befinden uns nun in New Brunswick. Uninformiert wie schneeuliich nun mal bin, dachte ich eigentlich, dass Quebéc die einzige französischsprachige Provinz Kanadas sei. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass New Brunswick eine zweisprachige Provinz ist, in der es sowohl englische als auch französische Gebiete gibt.
Unser erster Stopp in New Brunswick war das kleine Städtchen Caraquet.

Mit unserer festlich dekorierten Bertha standen wir – noch etwas unschlüssig was wir als nächstes tun wollen – auf dem Parkplatz einer Mall, als wir ein Auto um uns kreisen sehen. Als es schließlich neben uns zum stehen kommt und das Fester geöffnet wird sehen wir zwei ältere Damen vor uns, die uns für Wahrsagerinnen hielten. Nachdem klargestellt war, dass wir über keinerlei mediale Fähigkeiten verfügen, luden sie, Alma und Florence, uns zu einer kleinen privaten Stadtbesichtigung ein. Als erstes machten wir bei einem Fischladen halt, in dem Florence die etwas überrumpelte Verkäuferin davon überzeugte, dass sie uns - da wir schließlich Besucher sind – alles mal umsonst kosten lassen müsse. Nach wenigen Minuten hatten wir also Shrimps, Skampi und Austern probiert (später noch Hummer und Jakobsmuscheln und irgendwelche großen, in Essig eingelegten Muscheln gegessen) und noch eine halbe Riesenkrabbe für zu Hause eingepackt bekommen.

delikatessen

Für die Nacht sollten wir Bertha in Almas Einfahrt parken, die uns aber gleich mit in die Wohnung genommen, uns ihren Mann SeeglasAndré vorgestellt und uns herrlich bekocht hat. Eigentlich wollten wir schon am nächsten Tag wieder aufbrechen, doch unsere Gastgeberin war so herzlich und wollte uns auch eigentlich noch gar nicht gehen lassen und wir haben uns furchtbar wohl gefühlt. So hat sie uns am zweiten Tag das Gästezimmer hergerichtet und uns mit leckerem Essen versorgt, was wir unheimlich genossen haben.

Alma

Mit Florence waren wir am Strand und haben nach Seaglass gesucht. Dabei handelt es sich um Stückchen alten Glases, die schon seit ewigen Zeiten im Meer treiben und dabei zu wirklich schönen Formen geschliffen werden. Aus diesen alten Glasstückchen machen einige Leute hier vor Ort Schmuck, den sie dann für teures Geld wieder verkaufen. Eine sehr schöne und originelle Art des Recyclings, bei der wir auch das ein oder andere zukünftige Schmuckstück gefunden haben.

florence

Nach all dieser Gastfreundlichkeit fiel uns der Abschied nach drei Tagen nicht leicht, aber wir mussten weiter. Doch Alma hat uns nicht gehen lassen, ohne uns noch jede Menge Proviant einzupacken und hat uns sogar noch Sandwiches für unterwegs gemacht.

Schon in der nächsten Stadt jedoch hatten wir mal wieder einen platten Reifen, den es uns auf dem Highway völlig zerfetzt hat und da mal wieder Wochenende war, waren wir also drei Tage gestrandet, bis wir ein neues Exemplar erstehen konnten. Doch da wir das mittlerweile gewohnt sind, haben wir uns die Zeit mit vorweihnachtlichem Shoppen und Kinogängen vertrieben.

teilderkunst

In Saint John haben wir uns ein beeindruckendes Naturschauspiel – die „Reversing Falls“ angesehen. Hier fließt ein Fluss über einen kleinen Wasserfall in eine Meeresbucht. Das allerdings nur bei Ebbe. Bei Flut steigt der Meeresspiegel so weit an, dass er höher ist als der Fluss und somit das Wasser vom Meer in den Fluss fließt. Kurzum: Der Fluss ändert also zwei mal täglich seine Fließrichtung.

moose1

Und zum Schluss noch eine Neuigkeit der ganz anderen Art haben wir außerdem auch zu verkünden. Nach gemeinsamen 27 Jahren der Fleischabstinenz haben wir uns entschlossen, dem wieder ein Ende zu bereiten. Besondere Freundschaft haben wir bereits mit der hiesigen Fast Food Kette A&W geschlossen, die uns jetzt gelegentlich zum Burgerschlemmen begrüßen dürfen.

AandW

Liebe Grüße an alle Daheimgebliebenen,
eure Cora

Samstag, 28. November 2009

19 - Wie Gott in Frankreich

kircheWir haben eine kleine Reise in die Vergangenheit unternommen und sind nach Kitchener, den Geburtsort meines Opas, gefahren. Die ursprünglich von deutschstämmigen Menoniten gegründete Doppelstadt Kitchner-Waterloo hat heute ca. 300.000 Einwohner.
Auf einer kleinen Wanderung durch die Stadt, haben wir die verschiedene Adressen, die wir auf Geburts-, Tauf-, und Heiratsurkunden gefunden hatten, besucht und waren positiv überrascht. Besonders die Kirche zu sehen, in der meine Urgroßeltern geheiratet haben, war sehr beeindruckend.
Auch nicht fehlen durfte ein Besuch auf dem nahegelegenen und berühmten Farmersmarket, auf dem die Zeit vollkommen anders tickt, als in der Außenwelt. Der Markt wird von Menoniten ausgerichtet, die nach sehr ursprünglichen Regeln leben. Sie tragen traditionelle Kleider, fahren mit Pferdekutschen, bestellen ihre Felder mit dem Pflug und lehnen den Vortschritt ab. Sie leben abgeschieden in kleinen, sogenannten Bruderhöfen, und sprechen miteinander nur deutsch in einem altmodischen Dialekt. Auf dem Markt werden Obst und Gemüse verkauft, es gibt jede Menge Essensstände, an denen wir reichlich zugeschlagen haben, aber auch mehrere Räume, in denen Vieh versteigert wird.

versteigerung

Im Anschluss haben wir uns für die bevorstehende große Städtetour gewappnet. Geplant waren Ottawa, Montréal, und Quebéc. Stadtbeichtigungen sind allerdings mit Bertha immer ein wenig schwierig, weil es nicht ganz so einfach ist, mal schnell eine passende Parklücke für sie zu finden. Also haben wir uns in Ottawa, nach ewiger Suche, einfach auf den Parkplatz der französischen Botschaft gestellt und haben gehofft, dass wenn wir abgeschleppt werden, sie Bertha vielleicht direkt nach Europa schiffen.
Schon viele Leute haben uns Ratschläge erteilt und Tipps gegeben, welche Städte wir unbedingt sehen müssen - Ottawa hat nie jemand erwähnt und wir sind nur deswegen hingefahren, weil man die Hauptstadt ja mal gesehen haben muss und wurden dann mit der schönsten Stadt überrascht, die Kanada uns bislang zu bieten hatte. Ottawa liegt in einer landschaftlich wunderschönen Umgebung und trumpft nicht mit riesigen Hochhäusern auf. Stattdessen findet man reichlich Grünflächen, im viktorianischen Stil gebaute Häuser und den Charme einer Stadt, die es nicht ganz so eilig hat, wie die anderen. Der Rideau Kanal, der durch die Stadt führt, verwandelt sich in den Wintermonaten in eine einzige lange Schlittschuhbahn, auf der Kaffeestände aufgebaut werden und welche die Menschen nutzen, um darauf zur Arbeit zu fahren. Das ist uns leider entgangen.
Nicht entgangen ist und dafür das beeindruckende Parlamentsgebäude, in dem man sich ansehen kann, wo kanadische Gesetze erlassen werden und wo der Premier Minister bei seinen Fernsehinterviews steht. Vor dem Gebäude brennt in einem Brunnen das ewige Feuer, das an gefallene Soldaten erinnern soll und wir haben die Zeit ausgiebig genutzt gemütlich durch die Altstadt zu schlendern.

parlament

Nach Ottawa wurden wir damit konfrontiert, dass wir schneller als gedacht in der französischsprachigem Provinz Quebéc ankamen. Daran mussten wir uns erstmal gewöhnen, stellten dann aber fest, dass man auch wenn man nicht mehr als „bonjour“ und „merci“ drauf hat, Standartsituationen wie tanken und einkaufen unauffällig meisten kann.
Auffälig jedoch war es, das Montréal, unser erstes frankokanadisches Ziel, etwas zu schick für uns war. Hier kleidet man sich besser und hat scheinbar mehr Stil als im Rest des Landes und so haben wir, um nicht ganz so negativ aufzufallen, direkt jedes mal unsere besten Klamotten angezogen, auch wenn wir nur mal schnell irgendwo die Toilette benutzen wollten. Hier wohnt man auch anders, denn genauso, wie vielerorts wackelige Bretterbuden und einfache Container, in denen hier sehr viele Menschen leben, das Szadzbild prägen, steht hier eine riesige Villa neben der nächsten. Man kommt aus dem staunen gar nicht mehr heraus.
Leider gibt es jetzt, im Winter, keine Sightseeing Bustouren mehr in Montréal, aber das wichtigste, wie das Olympiastadion von 76 (in dem wir auch schwimmen waren) oder die Kirche Nottre Dame, haben wir auch ohne Führung gut gefunden.

olympia

In der Stadt Quebéc erwartete uns dann ein Abenteuer der nicht ganz so schönen Art und wir mussten unsere erste richtig negative Erfahrung in Kanada verbuchen.
Eines Nachts, wir schliefen in Bertha in einer ruhigen Ecke eines Supermarktparkplatzes, der direkt an eines der vielen Prunk und Villenvierteln grenzte, wurden wir wach, weil wir dachten etwas gehört zu haben. Wir hatten gerade beschlossen, dass wir das wohl nur geträumt hatten, als erneute und laute Geräusche zu vernehmen waren, die klangen, als ob etwas oder jemand hart gegen Bertha schlägt – und zwar immer wieder. Ulrike sprang mit Schlagstock und Pfefferspray bewaffnet in den Fahrerraum. Nach kurzem Beobachten und Orientieren hörte ich sie das Fenster aufreißen und jemanden anbrüllen. Die beiden jungen Männer, die im Gebüsch saßen, ergriffen sofort die Flucht. Sie hatten uns mit Eiern beworfen! Das mag vielleicht nach einem lustigen Streich klingen, aber wir hatten schon ziemliche Angst. Beim Prüfen, ob die beiden noch anderen Schaden angerichtet hatten, mussten wir feststellen, dass sie uns auch ein kleines Geschenk direkt vor der Tür hinterlassen hatten, dass wohl für den Fall gedacht war, dass wir die Verfolgung aufnehmen wollten. Glücklicherweise sind wir nicht hineingetreten.
Auf dem Weg zur nächsten Tankstelle, redete Ulrike der armen Bertha immer wieder gut zu und versicherte ihr so lange unablässig, dass sie DAS nicht verdient habe, bis die ganze Sauerei wieder abgewaschen war. Am nächsten Morgen beschlossen wir, dass wir uns die Stadt nicht ansehen werden und sind direkt weitergefahren.

dracheFür kurze Zeit brach bei uns schon Vorweihnachtliche Stimmung aus, als sich mitte November Bertha in zwei verfeindete Lager aufteilte. Das Fort im Esszimmer und die Burg im Schlafzimmer,planeten in denen fleißig die Adentskalender für dieses Jahr gearbeitet wurden. Die Ergebnisse, ein Planetensystem und ein Drachen, wurden direkt mit in die restliche Weihnachtsdekoration eingepasst und warten nun darauf, schon bald geplündert zu werden.

Wir fuhren gen Norden, am St. Lorenz Strom entlang. Das Ziel: Das Ende des Highways. Leider mussten wir schon bald einen kleinen, ungewollten Zwischenstopp einlegen und zwar in dem Städtchen, dass unser Reiseführer als unattraktiv und komatös beschreibt. Der Grund: Mal wieder unsere Bremsen. Eine der vorderen Bremsen brauchte eine neue Bremsscheibe, samt Bremsbacken. Da sich die Bremse ein wenig festgesetzt hatte, war der Bremsbacken so abgenutzt, dass die Scheibe, die ohnehin einen Riss hatte, nun auch tiefe Rillen aufwies. Leider stellten wir mal wieder fest, dass es nicht so einfach ist, Ersatzteile für ein Wohnmobil Baujahr 76 zu bekommen. Und leider mussten wir auch feststellen, dass die meisten Menschen, abseits der Großstadt, kein Englisch mehr sprechen. So saßen wir also knappe 3 Tage abwechselnd in verschiedenen Autowekstätten herum und warteten. Man telefonierte für uns herum und machte uns anschließend klar, dass es im ganzen Land keine für uns passende Bremsscheibe neu zu kaufen gibt.

bremse

Da wir so schlecht weiterfahren konnten, machte einer der Mechaniker dann etwas, was bei jedem deutschen TÜV-Prüfer einen mittelstarken Herzanfall verursachen würde (und auch bei Ulrike wahrscheinlich ein Magengeschwür verursacht): Er nahm einen Bremsbacken der fast passte, flexte die störenden Teile einfach weg und voila: Er passte!

Und mit dieser fast neuen Bremse haben wir den Weg zum Ende des Highways, in das kleine Dorf Natashquan, doch noch geschafft. Der Weg führte durch eine felsige und karge Landschaft, in der nicht viel wächst, was aber doch irgendwie fastzinierend aussieht. Natashquan ist, wie die wenigen Orte, die man auf dem Weg dorthin durchquert, ein idyllisches Fischerdorf, in dem viele Ureinwohner und Aussteiger leben und dem wir uns direkt wohlühlten! ;)

natashquan

Von dort aus kommt man nur noch per Flugzeug oder Fähre weiter richtung Labrador. Auch das hätten wir gerne gesehen, doch da es zu dritt ab hier zu teuer wird, drehen wir um und erobern einfach ein anderes Stückchen Land.

Bis die Tage,
eure Cora

Freitag, 6. November 2009

18 - Go East

Liebe Fans,

Was ist los mit euch? Seid ihr schon im Winterschlaf, oder habt ihr kollektiv so was wie Fingerstarre? Wieso schreibt uns eigentlich gar niemand mehr???
Da saugt man sich den letzten grammatikalischen Saft aus den Gehirnwindungen und kriegt absolut keine Reaktion... Man, man, man - das nenn ich mal undankbar. Für was haben wir diese Homepage schließlich?! Um euch - werte Zurückgebliebene - an unserem spannenden Leben teilhaben zu lassen. Und wir wissen noch nicht einmal, ob ihr überhaupt noch lebt... Das wäre im Übrigen die einzige akzeptable Entschuldigung.
Also - nun ist Schluss mit dem lethargischen Spannen und dem einseitigen Schreiben; ich will endlich wieder ein paar Lebenszeichen sehen!

wildgaense

Bei uns hat sich seit dem letzten Eintrag auch einiges getan. Nach der Eiszeit (mit zum Teil -17 Grad Nachttemperatur) kam der Herbst und wir genießen ihn solange es noch geht. Wir sind nun im wunderschönen Ontario angekommen. Es ist kein Wunder, warum hier ein so großer Teil der Kanadier lebt. Immer wieder glasklare Seen, deren Größe zwischen Kategorie Gartenteich und der Größe von Deutschland variieren; damit meine ich natürlich den Lake Superior. Für die Fahrt von dessen einem Ende im Westen, bis zum anderen Ende im Osten, haben wir allein schon 3 Tage gebraucht. Ok, mit unserer Turbo-Bertha und unseren obligatorischen Touriepausen - die wegen vieler geschlossener Einrichtungen immer spärlicher werden - ist das vielleicht nicht so aussagekräftig, doch vielleicht kann man dadurch ein bisschen mehr von dessen Größe erahnen. Ich persönlich komme mir ja über lange Strecken hinweg vor wie am Meer, da man selbst bei besten Sichtverhältnissen kein Land am Horizont sehen kann (auch nicht mit Fernglas).

Irgendwo auf der Stecke hat Cora dann auch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk von der Provinz Ontario bekommen. Wir haben nämlich an dem sauschweren Wettbewerb "Canadas Best Tourie 2009" teilgenommen. Über 138 Fragen zu den Themen Land, Leute, Umweltschutz, heimische Tier- und Pflanzenwelt, Ureinwohner und Klimawandel mussten wir so schnell wie möglich beantworten und der Sieger konnte dann eine Straße gewinnen. Tja - die kann man zwar dann nicht mit nach Hause nehmen, doch man kann immer damit angeben, dass eine Straße in Kanada nach einem benannt wurde. Und was soll ich noch sagen, außer, dass Cora es irgendwie geschafft hat, bei mir abzuschreiben und trotzdem die schnellere Zeit zu haben. Ärgerlich, aber nun hat sie ihren "Cora Drive"!
So, oder auch ganz anders könnte es gewesen sein.

CoraDrive

Auf unserer Reise gen Osten haben wir nun endgültig der großen Einsamkeit, den unberührten Naturabschnitten und den langen Strecken ohne Zivilisation den Rücken gekehrt. Mit dem Durchfahren von Ontario sind wir nun, wie bereits erwähnt, im bevölkerungsreichsten Teil Kanadas angekommen. Ottawa, Montréal und Québec warten noch von uns entdeckt zu werden, doch eine Megastadt haben wir bereits erobert: Toronto. Alle haben uns gewarnt bloß nicht mit Big Bertha in die Stadt zu fahren, und so haben wir unsere alte Lady 20km entfernt von Downtown (aber natürlich schon längst in der Stadt) bei einer Mall geparkt und die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt. Das war auch ziemlich clever, denn die U-Bahn ist super billig und die Nachtbusse befahren durchgehend die ganze Stadt. Natürlich mussten wir das nutzen und haben uns einen 3-Punkte-Plan ausgearbeitet:

Punkt 1: der begeisterungsfähige Tourie:
CNTowerNachdem ich mich im Vorfeld eingehend via Reiseführer belesen habe, und auch Cora ein paar kurze Stichpunkte näher bringen konnte, ohne sie mit Details zu sehr zu langweilen, plünderten wir die Reisekasse und fuhren mit dem Aufzug zur Besichtigungsplattform des CN-Towers, des mit 553m hoechsten Gebäudes der Welt. Anschließend bestiegen wir einen Doppeldeckerbus und saugten auch noch all die anderen Sehenswürdigkeiten in uns auf. Die Stadt hat's wirklich in sich! Riesig groß, hektisch, aber immer noch mit liebenswerten Wohngebieten. Ein Schmelztiegel unterschiedlicher Nationen, in welchem aber das Miteinander toll zu funktionieren scheint. Wirklich sehr beeindruckend!

Blickvonoben

Punkt 2: der konsumfreudige Tourie:
Diese Stadt hat nicht nur oberirdisch viel zu bieten, sondern sie lebt auch unterirdisch. Nachdem es hier länger kalt als warm ist, haben sich die Architekten viel Mühe gegeben einen Großteil der Innenstadt (26km) durch unterirdische Tunnel so miteinander zu verbinden, dass man im Warmen von einem Gebäude zum nächsten gelangen kann. Und damit einem auf dem Weg nicht langweilig wird, oder man gar Hunger leiden muss, sind dort überall links und rechts Einkaufsmöglichkeiten, die auch bereitwillig genutzt werden.

Punkt 3: der nachtaktive Tourie:
Wir hatten das Glück am Wochenende in Toronto zu sein, und nachdem wir während unseres Aufenthalts selten die Möglichkeit hatten auszugehen, war nun die Gelegenheit gekommen. Am Freitag gingen wir tanzen, doch in Zukunft müssen wir uns auch dafür im Vorfeld etwas mehr informieren. Der Grund ist, dass sogar Cora - die gerade mal 27 wurde - sich schon "alt" fühlen musste. Sehr bedenklich, aber mir kann das mit meinen 32 nur recht sein.

Kerzen

Als wir dann später mit dem Nachtbus nach Hause fuhren, gab's dann auch gleich eine Auseinandersetzung in kanadischer Manier: Hier schlagen sich die Jungs nicht - nein, hier machen sie doofe Witze, drohen und rufen im Anschluss gleich laut nach der Polizei. Sehr lustig war dann, als ein unbeteiligter den gesamten Bus anstiftete mit ihm im Chor zu schreien, dass einer der Typen aus dem Bus fliegen soll. Hat nicht ganz geklappt, aber der Busfahrer hat irgendwann die Nerven verloren, Kuerbiseist mit Warnblinklicht rechts rangefahren und hat verkündet, dass sein Bus nun leider "out of order" ist und wir den nächsten nehmen sollen. Da erlebste was...
Am nächsten Tag war Halloween und da mussten wir natürlich auch wieder in die Stadt. Später hätten wir uns am liebsten in den Allerwertesten gebissen, dass wir den Foto vergessen haben. Die komplette Church Street war für ein Straßenfest der besonderen Art gesperrt. Hunderte Maskierter und Schaulustiger säumten die Straße. Von überall her drang Musik und alle waren in Feierstimmung. Eine tolle Atmosphäre!

Masken

Tags darauf haben wir uns auf den Weg zu den Niagara Fällen gemacht. Die sind gerade mal 130km von Toronto entfernt und das bedeutet auf kanadisch quasi in Greifweite. An der Touristenatraktion selbst kann man nur mit einem prall gefüllten Geldbeutel parken, von daher haben wir für unsere Bertha einen Parkplatz 5km abseits gesucht und die Räder abgespannt. Bei strahlendem Sonnenschein radelten wir dann am Erie See in Richtung Stadt – dem immer lauter werdenden Donnern entgegen.

Hinterden-Faellen

Mitte November ist auch eine super Zeit, um sich ein Naturschauspiel anzusehen, welches jährlich mehr als 12 Millionen Menschen besuchen. Wir konnten ungestört den Blick von jedem beliebigen Punkt schweifen lassen und haben selbst einen kleine Exkursion hinter die Wasserfälle unternommen. Da bekommt am am besten ein Gefühl für die Kraft, mit der das Wasser hier die 54m in die Tiefe stürzt. Ist schon sehr beeindruckend.

wassermassen

Was aber im starken Kontrast dazu steht, ist die Stadt, die sich drum herum gebildet hat. Am besten kann man sich den Ort wie eine Kreuzung aus Las Vegas und Disney World vorstellen. 1000 blinkende, bunte Lichter und dröhnende Lautsprechermusik sollen die Besucher in verschiedene Spielhallen, 4D-Kinos, Lokale und Bars locken. Das ist nicht unbedingt das, was wir mit einem Naturschauspiel in Verbindung gebracht haben... aber die Leute scheinen es zu mögen.

Was uns betrifft, wir befinden uns nicht nur im kanadischen Herbst, sondern auch im Herbst unseres Urlaubes. 9 spannende Monate sind vergangen und die letzten 3 Monate stehen uns noch Baerenangriffbevor. Da macht man sich schon mal Gedanken, was da noch kommt und wie man die Aufgaben meistern könnte. Der Moment, vor dem wir uns jetzt schon fürchten, ist der, an dem sich die Wege von Big Bertha und uns trennen. Durch die Höhen und Tiefen, und die tausenden von Meilen, die wir zusammen gefahren sind haben wir die alte Lady wirklich lieben gelernt und können und wollen uns ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Sie jedoch mit nach Deutschland zu nehmen, und sie dort TÜV-tauglich zu bekommen... ich erinnere mich an den Auspuff, den wir ganz am Anfang irgendwo verloren haben, die Kühlerflüssigkeit, die sich nach jeder Fahrt auf den Parkplatz ergießt, die Olivendose, die die Servolenkungsflüssigkeit auffängt, oder auch den Stoßdämpfer, den ich mit Schrauben aus dem Baumarkt irgendwie wieder festgeschraubt hab... ach ja; kurz und gut: es wäre ein teurer Spaß, um nicht sogar zu sagen unbezahlbar.
Die Lösung des Problems erhoffen wir uns in schnellem Reichtum. Deshalb spielen Cora und ich nun alle 14 Tage Lotto. Wir haben Bertha versprochen, dass wir sie mitnehmen, wenn wir im Lotto gewinnen und sie via "pimp my ride" zu einem Motorhome der Superlative umstylen lassen. Also- Daumen drücken!

altelady

Und noch eine Info am Schluss: Cora hat keinen Mühen gescheut, um euch, werten Lesern, den Verlauf unserer Reise auch visuell noch etwas besser zu veranschaulichen. Auf unsere Kanadakarte (oben links auf der Homepage) erkennt ihr nun ganz einfach unsere bisherige Reiseroute und unseren aktuellen Standort. Am besten schaut ihr es euch gleich einmal an.

Also ihr Lieben, haut in die Tasten und drückt uns die Daumen!

Liebste Grüße aus der Ferne,
eure Uli

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Langsam müssen wir uns von Bertha trennen. Potentiell interessierte Käufer klicken hier

Herzlich Willkommen...



...in Cora's und Uli's Kanada-Tagebuch. Hier gibts, für alle die es interessiert, die neusten Neuigkeiten.


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